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Full text of "Erzbischof Odilbert von Mailand über die Taufe ein Beitrag zur Geschichte der Taufliturgie im Zeitalter Karls des Grossen"

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Erzbischof 
Odilbert von 
Mailand über 




Friedrich Ludwig 
Leonhard Wiegand 




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THEOLOGICAL 1CDUCATIÜN. 



Received I 3 (0 Q~t I 



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Studien 

zur 

G-eschichte der Theologie 
und der Kirche 

herausgegeben 
von 

N. Bonwetseh und R. Seeberg 

Göttingen. Berlin- 
Band IT. 




Leipzig. 

Dieterich 's che Verlagg-Buchhandlung 

Theodor Weicher 
1899. 



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Inhalt. 



Heft 1: Wiegend, Lic. Dr. Fr., Enbischof Odilbert tod Mailand 
Uber die Tanfe. 

Heft 2: Wiegrand, Lic. Dr. Fr., Die Stellung des apostolischen 
Symbols im kirchlichen Leben des Mittelalters. I. S y m b o 1 

und K atechumenat. 



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Studien 

T 

zur 

Geschichte der Theologie 
und der Kirche 

herausgegeben 
von 

N. Bonwetsch und R. Seeberg 

" Güttingen . ~ Berlin. 

Vierter Band. Heft 1. 




Leipzig. 

Dieterich' sehe Verlags-Buchhandlung 

Theodor Weicher 
1899. 



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Ö 



Erzbischof Odilbert von Mailand 

über die Taufe. 

Ein Beitrag zur Geschichte der Taufliturgie 
im Zeitalter Karls des Grossen 

von 

Lic. Dr. Friedrich Wiegand, 

Privatdozent der Theologie in Erlangen. 




Leipzig. 

Dieter ick'sche Verlags-Buchhandlung 

Theodor Weicher 
1899. 



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Inhalt. 



Seit« 

1. Das Rundachreiben Kaiser Karla a_Q die Erz- 

hischöfe . , , , . . . . . . . . . . . . . , , 1—10 

Die Absicht des Rundschreibens 1 — 7. Die bisher be» 

kannten Antworten 7 — 9 Mabillon über Odilbert 9—10. 

IT. Odilbert von Mailand und seine Schrift . , , , 11—16 

Biographisches 11 — 12. Allgemeiner Charakter der 
Schrift 12—13. Odilberts Quellen 13—15. Spätere Zu- 
thaten 15-1fi. 

1TI. Die Codices und der Text . . . . . . . . , . , 17—37 

Codex von St. Paul 19—23 Codex Monaconsis 22—23. 

Das Rundschreiben Karls 23— 2ft Od il hart« Brief an 

den Kaiser 25 — 27. Odilberts Liber de baptismo 27—37. 

IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert rep rasen - 

tierton Timt'ordo des 9. Jahrhunderts . . . . 38 — 68 

Skrntinienritua und Taufordo 38 — 39. Katechumenat 

40—44. Taufvorbereitung 44 — 19. Taufakt 49— 53. Cerc- 

monien nach dem Taufakt 54— fifi. Dar mailändische 

und d er trünkiache Taufordo des 9. Jahrhunderts 66— 6 8. 



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I. Bas Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 



Zu denjenigen Massnahmen Karls des Grossen, welche auf 
die Vertiefung des inneren Lebens in der Kirche abzielten, 
gehörte ein Rundschreiben, welches der Kaiser in den letzten 
Jahren seiner Regierung, spätestens aber 812, an die Erz- 
bischöfe des ganzen Reiches richtete. 1 ) In demselben bedauert 
er, um seiner körperlichen Beschwerden willen nicht in dem 
Masse sich mit den Adressaten über kirchliche Angelegenheiten 
vertraulich beraten zu können, wie er wohl möchte. Zwar sei 
ihm ihr Eifer in Sachen ihres Berufes wohlbekannt; dessen- 
ungeachtet könne er nicht umhin, ihnen immer aufs neue wieder 
die grössto Sorgfalt in ihren geistlichen Pflichten einzuschärfen. 
In dieser Absicht fordere er sie auf, ihm offiziell und zwar 
schriftlich oder mündlich mitzuteilen, in welcher Weise sie 
und ihre Suffragane den Diöcesanklerus sowie die Gemeinden 
über Taufe und Taufvorbereitung unterrichteten. *) 

') Zum Datum vgl. Böhmer-Mühlbacher, Regesta imperii I 191 sq. 
Nr. 461. Zum ganzen Vorgang Theolog. Quartalschrift, Tübingen 1824 
S. 372—375. Bettberg, Kirchengeschichte Deutschlands I 438. Abel- 
Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reiches unter Karl d. Gr. 1883 
II 494-497. 

■) Erhalten sind Exemplare dieses Rundschreibens an Erzbischof 
Amalar von Trier (Abgedr. auf Grund des Cod. Tigurin. C. 102 s. X. in 
Alcuini opp. ed. Frobenll 520, bei Migne ser. lat. 99, 892 und bei Jafie, 
Monum. Carol. p. 402 sq.) und an Erzbischof üdilbert von Mailand 
(Abgedr. auf Grund eines Cod. Mettensis des Placidus von ßeuville (Kon- 
gregation von St. Vanne) bei Mabülon, Vetera analecta 1675. Tom. I 
p. 21 sq. 1723 p. 75 sq. Bai uze, Capitularia reg. Franc. I 483 sq. Bouquet, 
Recueil des historiens V 632 sq. Le Cointe, Annal. eccl. Franc. VII 211 sq. 
W t e g a n d , Odilbert von Mailand. 1 



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2 I- Das Randschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 

Es liegt auf der Hand, dass es sich bei diesem Schrift- 
stück nicht etwa bloss um eine lobenswerte Wissbegierde des 
alten Kaisers handelte. Gesteht man sich doch im Kreise der 
Befragten selbst ganz offen ein, Karl habe jene Massregel nicht 
ergriffen, um zu lernen, sondern um zu lehren und um Schläfrige 
aufzurütteln. 1 ) 

Ohne dieses Urteil von Männern, die in der Lage waren, 
die Intentionen Karls richtig zu durchschauen, könnte man 
allenfalls auf einen anderen Beweggrund schliessen. Es wäre 
nicht undenkbar, dass das Rundschreiben einem kirchlichen 
Grundgedanken zu dienen bestimmt gewesen wäre, der während 
des 8. und 9. Jahrhunderts fort und fort im Frankenreiche 
begegnet, nämlich der Erzielung grösstmöglichster Uberein- 
stimmung mit Rom in liturgischen Dingen. 2 ) Man weiss, wie 
schon Pippin den römischen Kirchengesang in seinem Reiche 
einführte, 8 ) wie ferner Karl es sich angelegen sein Hess, die 
alten gallischen Sakramentare durch römische zu ersetzen uud 
auf diese Weise der römischen Gottesdienstordnung zur aus- 

Hartzheim, Conc. Germ. I 399 sq. Mansi, Conc. coli. XIV Append. p. 

a 

331 sq. u. and. j auf Grund des Cod. St. Pauli in Karinth. XXV und des 

Cod. Vindob. iur. can. 45, nunc 398, bei Pertz M. G. Leges I 171. Bo- 
retius 31. G. Capitul. reg. Franc. I 246 sq. Jaffe, Monum. Carol. p. 401 sq.). 
In letztgenanntem Cod. Vindob., dem bekannten Cod. epistol. Udalrici, so- 
wie im Cod. Zwetlensis 283 steht statt des Namens Odilbert ein N., vgl. 
Boretius 1. c. p. 246 not. a. Eccard, Corp. hist. med. aevi II 34 sq. Nr. 17. 
Jaffe, Monum. Bambergensia p. 6. Pez, Thesaur. anecd. noviss. II 2 p. 7 sq. 

*) Erzbischof 3Iagnus von Sens an Karl, Jaffe, 3Ionum. Carol. p. 415: 
Quod nos de somno stultitiae vel insipientiae excitare dignati fuistis. sicut 
semper et ubique solliciti estis. Vgl. Bischof Theodulf von Orleans an Erz- 
bischof 3Iagnus von Sens, Jaffe 1. c. p. 414: Quaestiones interea istae, ut 
ego te nosse certus sum, a regali celsitudine non sunt factae necessitate 
discendi sed studio docendi ; nec ut ipse his absolutis de nescitis valeat 
imbui , sed ut alii de somno desidiosi torporis ad rerum absolvendarum 
utilitatem valeant excitari. Quippe cui hoc Semper familiäre est: ut exer- 
ceat praesules ad sanctarum scripturarum indagationem et sanam sobriain- 
que doctrinam, omnem clerum ad disciplinam, monachos ad religionem, omnes 
generaliterad sanctitatem, praelatos adhumilitatem, subditos ad obedientiam. 

*) Vgl. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands II 227—229. 

*) Admonit. general. c. 80. Boretius 1. c. p. 61. Epistola general. 
Boretius 1. c. p. 80. Vgl. Ademari hist. II 8. M. G. Script, IV 117 sq. 



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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 3 

schliesslicheii Geltung im Norden zu verhelfen. 1 ) Aber auch 
in Bezug auf die Taufe verlangte Karl schon seit Jahren Hand- 
habung des römischen Usus. 2 ) War doch gerade hier eine 
Ausgleichung der zahllosen Verschiedenheiten besonders wün- 
schenswert. Denn man kann ohne Übertreibung behaupten, 
dass es fast ebensoviele Variationen der Taufvorbereitung und 
der Taufliturgie gibt , als uns liturgische Urkunden jener Zeit 
aus Italien, Frankreich und Deutschland erhalten sind. So 
wäre denn eine Enquete wohl am Platz gewesen, um den litur- 
gischen Wirrwarr zunächst feststellen und alsdann beseitigen 
zu können. 

Immerhin deuten die Worte des Kaisers wie auch die Be- 
merkungen des Erzbischofs Magnus von Sens und die des 
Bischofs Theodulf von Orleans weniger auf eine derartige kirchen- 
regimentliche Massnahme als auf eine persönliche Prüfung der 
Erzbischöfe. Sie, die in erster Linie dazu berufen waren, Karls 
fürsorgliche kirchliche Pläne zur Durchführung zu bringen, 
sollten sich über ihren christlichen Glauben wie über ihre 
theologische Bildung ausweisen. Der Kaiser wählte zu dem 
Zweck einen Gegenstand von centraler Bedeutung, der, formell 
gut abgegrenzt , gleichwohl nach den verschiedensten Seiten 
hin Gelegenheit zu ausgiebigen Erörterungen bot, einen Gegen- 
stand obendrein von allgemeinstem Interesse, an dem kein 
Kleriker und kein Laie in der Kirche vorübergehen konnte. 

Denn das Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit bezweckte 
einerseits, dass die Befragten das Taufceremoniell im Sinne 
und nach dem Geschmack der damaligen Theologie d. h. mystisch- 
symbolisch erörtern sollten. Andrerseits ward ihnen nahe ge- 



] ) Jaffe, Monum. Carol. p. 274. Komische Sakrament are bezw. solche, 
welche den gallischen und den römischen Ritus gemischt enthalten, finden 
sich zu Karls Zeiten häufig. Vgl. die von Delisle (Memoire sur d'anciens 
sacramentaires p. 83 — 96) aufgezählten Codices, bes. Kr. 9. 10. 13. 15. 

*) Dupl. legat. edict. (a. 789) c. 23. Boretius 1. c. p. 64 : Ut audiant 
episcopi baptisterium presbyterorum, ut secundum morem Romanum bapti- 
zent. Vgl. Conc. Mogunt. a. 813 c. 4 (Hefele, ConcÜiengesch. (2) III 
760) sowie die auf Beobachtung der kanonischen Taufzeiten abzielenden 
Kapitularbestimmungen bei Boretius 1. c. cap. 36, 10 (a. 802) p. 106; 
cap. 83, 5 (a. 813) p. 182; cap. 119, 10, p. 237. 

1* 



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4 



L Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 



legt, im Anscbluss an das in der Taufliturgie zur Verwendung 
kommende apostolische Glaubensbekenntnis sich über ihren 
Glauben an die Trinität und an die anderen von der Symbol- 
formel umschriebenen wichtigsten Dogmen der Kirche aus- 
zusprechen. Das war es, was man damals unter dem Begriff 
„Credulitas" verstand, der sich etwa mit dem deckte, was man 
auch „Regula fidei" nannte, d. h. der kurzen Zusammenfassung 
des Hauptinhaltes christlicher Lehre, wie derselbe sich im 
Glaubensleben des einzelnen Theologen oder der einzelnen Ge- 
meinde widerspiegelte und zugleich der theologischen Entwicke- 
lung im Kampfe mit der Häresie als Norm diente. 

Wie wünschenswert aber und wie zeitgemäss ein solches 
Vorgehen Karls war, das lässt sich deutlich aus den einge- 
laufenen Antworten ersehen. Denn obwohl Taufe und Tauf- 
vorbereitung zu den alltäglichen Dingen für den Klerus ge- 
hörten, so hat das kaiserliche Rundschreiben doch in der That 
manchem der alten Herren schweres Kopfzerbrechen verursacht. 
Enthielt doch der beigelegte Fragebogen Namen, Formeln und 
Ceremonien, die man wohl mehr oder weniger gewissenhaft 
handhabte, über deren Herkunft man sich aber noch nie einen 
Skrupel gemacht hatte, und deren Zweck und Bedeutung man 
sich, wie aus den einzelnen Erklärungsversuchen hervorgebt, 
sehr verschiedenartig zurechtlegte. Allenfalls fand man sich 
mit der symbolisch-mystischen Ausdeutung der Einzelheiten des 
Taufritus leidlich ab, aber das theologische Erträgnis der ganzen 
Aktion erwies sich als minderwertig. 

In der That dürfte es für einen geschulten Liturgiker 
stellenweise schwierig gewesen sein, ein aus römischen wie 
gallischen Elementen verschiedenster Jahrhunderte zusammen- 
gewachsenes Ceremoniell auf seine historischen Ausgänge und 
religiösen Grundgedanken unbedingt sicher zurückzuführen. 
Wieviel mehr aber für diesen oder jenen Erzbischof, dessen 
Verdienste nicht geleugnet werden sollen, der aber mehr als 
Kirchenfürst, als Diplomat, als Kulturarbeiter excellierte denn 
gerade als Gelehrter. Wenn von manchem dieser geistlichen 
Herren keine andere theologische Schrift auf uns gekommen ist 
als eben seine Antwort auf jenen kaiserlichen Fragebogen, 
wenn obendrein sein Brief an Karl den Eindruck mühsamer 



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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 5 

Zusammenstoppelung macht oder wegen seiner Unvollständig- 
keit dem Kaiser nicht genügt, so spricht dies aufs beste für 
Karls Anschauung, dass die theologischen Leistungen des 
damaligen Klerus einer Steigerung fähig und bedürftig waren. 1 ) 
Mag immerhin nach der einen angedeuteten Richtung hin das 
ganze Unternehmen keinen praktischen Erfolg gehabt haben, 
mag vielmehr die liturgische Centralisation den kommenden 
Geschlechtern als Desiderat verblieben sein : schaden konnte es 
jedenfalls nichts, wenn Karl seine Erzbischöfe und durch sie 
indirekt wieder die Bischöfe und Pfarrer zwang, sich Rechen- 
schaft über die einzelnen Teile ihres gottesdienstlichen Handelns 
zu geben. 2 ) Die Kirche musste es vielmehr ihrem Kaiser 



') Ganz besonders erfreut war der Kaiser über die Arbeit des Ama- 
lar von Trier. Er dankt ihm mit den Worten: Scripta nobis tua sancti- 
tate directa grata suscepimus dextera. Pro quo tibi laudes et gracias referi- 
mus; maxime quia, cum ipsam perlegere in presencia nostra fecissemus, 
catholicam et omni laude dignam invenimus. Et hoc, quod nobis obe- 
diens fuisti et nostris iussionibus accelerare curasti, graciam agimus (Jaffe, 
Monum. Carol. p. 409). Dagegen vermisst er in der Schrift des Leidrad 
von Lyon ein näheres Eingehen auf die Abrenuntiation, weshalb der Ge- 
nannte einen Aufsatz hierüber nachzuliefern sich genötigt sieht. Vgl. 
in dem Briefe Leidrads, der sein Opusculura de abrenuntiatione diaboli 
(Abgedr. bei Mabillon, Vetera anal. p. 85 —89) begleitet: Tunc demum non 
tarn imperiali quam paterna ammonitione innotescere nobis dignati estis: 
minus nos dixisse de abrenunciatione diaboli et earum, quae eins sunt 
rerum, quam vestra pietas optabat (Jaffe 1. c. p. 412). 

f ) So hat Erzbischof Magnus von Sens den Fragebogen Karls an seine 
Diöcesanbischöfe weitergegeben und antwortet dem Kaiser zugleich in 
seinem und seiner Bischöfe Namen, vgl. Jaffe, Monum. Carol. p. 414 sq.: 
Innotescere magnitudini vestrae praesumsimns nos servi vestri, Magnus 
scüicet et ceteri compares mei licet indigni episcopi ad Senonicam dioe- 
cesim pertinentes. Auch ist die Antwort eines der Diöcesanen, des Bischofs 
Theodulf von Orleans, sieber auf uns gekommen: Theodulfi Aurelianensis 
episcopi de ordine baptismi ad Magnum Senonensem über, abgedr. bei 
Sirmond, Opera varia 1728 II 679-696 Ml. 106, 223—240. Ferner richtete 
wohl zur selben Zeit Bischof Jesse von Amiens seine bekannte Epistola 
de baptismo an die Pfarrer seiner Diöcese: Sacris sacerdotibus et in 
Christo omnibus dioecesi nostrae digne militantibus Iesse humilis episco- 
pus in domino salutem. Quoniam quidem dubitor me loqui vobis, cum 
aaepius fore cognosco de divinis libris ac sacerdotalis officii mysteriis, 
quamquam mihi causa impossibilitatis impediat ac absentiae. Ideo bre- 
viter vobis. in quantura temporum adfuit spatium, qualiter a sacri baptis- 



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6 I. Das Randschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 

Dank wissen, dass er selbst au den Einzelheiten des Kultus das 
lebhafteste Interesse nahm, und dass er zugleich seine ganze 
Autorität in die Wagschale legte, wenn es galt, Hoch und 
Niedrig in der Kirche an die tiefste Erfassung ihrer Pflichten 
zu mahnen und vor Oberflächlichkeit oder Untreue zu bewahren. 

In der That hat denn auch jene Massregel Karls ihre 
guten Früchte gezeitigt Sie wurde der Anlas s zu einer reichen 
liturgischen Litteratur. Freilich lag das Interesse an litur- 
gischen Fragen damals in der Luft. In Bezug auf die Lehre 
haben die Theologen im karolingischen Zeitalter sich vor- 
wiegend receptiv verhalten, hinsichtlich der Ausbildung des 
Gottesdienstes hingegen arbeiteten sie mit Fleiss und mit 
selbständiger Überlegung. Man kann wohl sagen, dass die 
Lücke, welche das 9. Jahrhundert in der Dogmengeschichte 
aufweist, durch die Fortschritte auf liturgischem Gebiete voll- 
auf kompensiert wird. Und gerade was die fränkische Theologie 
nach dieser Hinsicht damals geleistet, hat noch keineswegs die 
verdiente "Würdigung gefunden. 

Inmitten dieser Bewegung bedeutet aber Karl in erster 
Linie eine treibende Kraft, und ebenso kommt seinem Rund- 
schreiben vom Jahre 812 eine hervorragende Stellung in der 
ganzen Entwickelung zu. Jener kaiserliche Fragebogen gab den 
Anlass dazu, dass sich mancher Kirchenfürst mit theologischen 
Studien abgab, der denselben sonst wohl fern geblieben wäre; 1 ) 
eine ganze Reihe von Antworten, welche einliefen, liess einen 

matis unda per gradus perveniri debeatur, scribendo perstrinximus. Scio 
vero quia multi ex vobis eius bene noverunt mysteria, sed propter exer- 
citationem et ignorantiam, causam convenientius mihi omnibus scribere 
videtur, quam aliquibus insciis. Unde et rogo, ut vos qui capaciores sensu 
estis, instruatis et adhortetis eos qui minoris sunt ingenii, in spiritu mansue- 
tudinis ac lenitatis, ut intente quae in eo latent, perquirant et ad fructum 
sanctae dei ecclesiae domino favente inquisita perducant. Abgedr. bei 
Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII 397—401 Ml. 105, 781—791. 

*) Leidrad von Lyon, Liber de sacramento baptismi, praefatio Ml. 
99, 853 sqq.: Quae omnia sicut difficilia sunt et ardua ad cognoscendum, 
ita quoque perplexa et laciniosa ad innotescendum. — Sed quia ille iussit 
qui nec falli poteat tergiversatione nec contemni silentio, aggrediendum 
est opus et iuxta facultatem virium exponendum quod in regenerationis 
sacramento percipimus tenendom. Uli scientiam nostram offerimus qui 
magis solet docere quam reprehendere. 



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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 



7 



Blick in die ungeahnte Mannigfaltigkeit thun, welche auf litur- 
gischem Gebiete in den einzelnen Diöcesen des Reiches herrschte. 
Das führte dann weiter zu einem Gedankenaustausch über die 
historische Entwickelung und theologische Bedeutung des kirch- 
lichen Ceremoniells , die fraglos nicht ohne Einfluss auf die 
grossen liturgischen Arbeiten eines Amalar und Hraban blieb. 

Aber es liegt auch auf der Hand, von welcher Bedeutung 
jene erzbischöflichen Antwortschreiben für die historische Er- 
kenntnis sind. Als Quellen ersten Ranges spiegeln sie eben- 
sowohl die liturgischen Zustände des Reiches wie die theolo- 
gische Bildung des hohen Klerus in jener Zeit wieder. Und 
da sie auch zu der Frage Karls: De symbolo, quae sit eius 
interpretatio secundum Latinos, Stellung nehmen, so findet neben 
der Kultusgeschichte bei ihnen auch die Symbolforschung ihre 
Rechnung. 1 ) 

Kein Wunder deshalb, wenn man von alters her auf die 
einschlägigen Schriften mit Eifer gefahndet hat. Indessen hat 
erst Paul Oaspari die durch das kaiserliche Rundschreiben 
direkt oder indirekt veranlasste liturgische Litteratur zusammen- 
gestellt. 2 ) Er konstatierte zunächst fünf direkte Antworten an 
Karl von den Erzbischöfen Leidrad von Lyon, Magnus von 
Sens, Amalar von Trier, Maxentius von Aquileja und Odilbert 
von Mailand, sodann das Gutachten des Bischofs Theodulf von 
Orleans an seinen Metropoliten Magnus von Sens und den Er- 
laBs des Bischofs Jesse von Amiens an den Diöcesanklerus von 
Amiens, endlich einen anonymen Traktat und ein Fragment, 
also insgesamt neun Schriften. Indessen ist von den beiden 
letzteren der Brevis tractatus de sacramento baptismi, *) in 
welchem Caspari eine direkte Bezugnahme auf Karls Frage- 
bogen sehen will, nichts anderes als ein im 9. Jahrhundert 



*) Vgl. Swainson, The Nicene and Apostles' Creeds p. 185 sq. Cas- 
pari, Alte und neue Quellen S. 285 Anm. 14. Kattenbusch, Das aposto- 
lische Symbol I 177—182. Hahn, Biblioth. d. Symbole u. Glaubens- 
regeln (3) S. 79 sq. § 69. 70. S. 100 § 96. D. Jean Chapman in der 
Rev. Bened. 1894 p. 365. Haussleiter in der Neuen kirchl. Zeitschrift 
1898 S. 341-351. 

») A. a. O. 

•) Abgedr. bei Martene, De antiqnis ecclesiae ritibus 1736 Tom. 1 172 sq. 



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8 I. Dm Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 

■ 

überaus häufig begegnendes offizielles Schema der Taufliturgie ') 
mit zwei kleineren und zwei grösseren Interpolationen und ge- 
hört demnach nicht unter die in Frage stehende Litteratur. 

Dagegen ist es mir bis jetzt gelungen, vier weitere aller- 
dings auch nur namenlose Schriften nachzuweisen, die ent- 
schieden zu dieser Gruppe zählen. Von ihnen sind zwei be- 
reits länger bekannt, aber bisher unbeachtet geblieben, nämlich 
die Epistola ad Oarolum M. imperatorem de ritibus baptismi -) 
und die mit dem kaiserlichen Rundschreiben ohne Zweifel in- 
direkt zusammenhängenden Collectanea dicta de antiquis riti- 
bus baptismi eorumque significatu. 8 ) Auf zwei andere, eben- 
falls direkt an den Kaiser gerichtete Antworten von Erzbischöfen, 
die nur handschriftlich in Orleans und Brüssel bezw. München 
vorhanden sind, hat erst vor einigen Jahren Dom Germain 
Morin aufmerksam gemacht. 4 ) 

Somit beliefe sich also die Zahl der durch Karls Frage- 
bogen veranlassten und bis jetzt nachweisbaren Schriftstücke 
auf acht direkte Antwortschreiben und vier anderweitige Auf- 
sätze über die Taufe. Unter ihnen tragen weiter sieben den 
Namen ihres Verfassers, während fünf namenlos sind. Neun 
sind bereits gedruckt, drei hingegen blieben bisher unediert. 
Denn abgesehen von jenen beiden jüngst erst durch Dom Ger- 

*) Unt. and. Alcuini epist. 93 ad monachos Gothiae u. epist. 261 ad 
Oduinum presbyt. Jaffe, Monom. Alcuin. p. 390 sq. 824 sq. Ferner unter 
dem sinnlosen Titel Traditio baptisterii als Anhang der J esseschen 
Schrift an die Pfarrer über die Taufe. Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII 
401. Ml. 105, 791 sq. 

*) Abgedr.beiMartene, Thesaur. novus anecdot. 115— 17 Ml. 98, 938 sq. 

*) Abgedr. bei Pez, Thesaur. anecdot. noviss. H 2 p. 12—16 Ml. 106, 
53-58. 

*) Vgl. Rev. ßened. 18% p. 289—294. Die erstere (Ms. 94 d'Orleans 
fol. 20 b ) beginnt: O serenissime atque püssime Auguste, precepit nobis 
dignitas vestra. Über die Handschrift vgl. Delisle, Notice sur plusieurs 
ms. de la biblioth. d'Orleans p. 10. Die andere (Cod. Bruxell. 17349—17360. 
Cod. lat. Monac. 21568 Weihensteph. saec. X1T fol. 79) enthält auch das 
schon genannte offizielle Taufschema aus Alcuin epist. 93. 261, ist aber 
jedenfalls von einem Brzbischof verfasst, der über Suffragane verfügt. 
Morin schwankt zwischen Riculf von Mainz, Hildebald von Köln und Arn 
von Salzburg. Beide Schriften gehören demnach zu den direkten erz- 
bischöflichen Antwortschreiben. 



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I. Da« Rundsehreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 



9 



main Morin bekannt gegebenen Antworten barrt auch der 
Aufsatz eines der bedeutendsten Kirchenfürsten, des Erzbischofs 
Odilbert von Mailand, noch der Herausgabe. 1 ) 

Derselbe lag Mabillon in einer Reichenauer Handschrift 
vor. Gleichwohl hielt es der gelehrte Mauriner nur für not- 
wendig; aus der letzteren das Schreiben des Kaisers und den ein- 
leitenden Brief des Erzbischofs zu publizieren, während er von 
der Schrift selbst bloss die Uberschriften und Initien der 
Kapitel abdruckte.'-) Der Excerptencharakter des Odilbertschen 



*) 1. Leidrad von Lyon, Liber de sacramento baptismi (Mabillon, 
Vetera analecta 1723 p. 78—85. Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII 
382-^389 MI. 99 , 853—872). 2. Magnus von Sens, Libelius de mysterio 
baptisraatis (Martene, De antiq. cccl. ritib. 1736 Tom. I 169 — 171. Ml. 102, 
981 — 984). 3. Amalar von Trier. Epistola de caerimoniis baptismi (Ger- 
bert, Monum. vet. liturg. Alem. II 264 — 269. Alcuini opp. ed. Froben 
II 520—524 Ml. 99, 893-901). 4. Maxentius von Aquileja, Epistola de 
significatu rituum et caerimoniarum baptismi (Pez, Thesaur. anecdot. no- 
viss. II 2, 7—12 Ml. 106, 51—54). 5. Odilbert von Mailand, Liber de 
baptismo. 6. Theodulf von Orleans, Liber de ordine baptismi ad Magnum 
Senonensem (Sirmond, Opera varia II 679—696 Ml. 105, 223—240). 7. Jesse 
von Amiens, Epistola de baptismo (Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII 
397—401 Ml. 105, 781—791). 8. Fragment aus der Schrift eines Ano- 
nymus (Baluze, Capitular. reg. Franc. II Appendix Nr. 22 p. 1402 — 1403 
Ml. 98, 939). 9. Epistola de ritibus baptismi ad Carolum M. imperatorem 
(Martene, Thesaur. novus anecdot. 1 15—17 Sil. 98, 938 sq.). 10. Collectanea 
dicta de antiquis ritibus baptismi eorumque significatu (Pez, Thesaur. 
anecdot. noviss. II 2, 12 — 16. Ml. 106, 53 — 58). 11. Anonymus im Cod. 
Bruxell. 17349-17360, bezw. im Cod. lat. Monac. 21568 Weihensteph. 
(Rev. Ben6d. 1896 p. 290—292). 12. Anonymus im Ms. 94 der Bibliothek 
von Orleans : O serenissime atque piissime Auguste, precepit nobis dignitas 
vestra. Vgl. Delisle, Notice sur plusieurs ms. de la biblioth. d'Orleans 
p. 10. Rev. Bened. 1896 p. 294 n. 1. — Ob endlich auch der Ordo vel 
brevis explanatio de catechizandis rudibus in dem Cod. Vindob. 1370 
hierher gehört, lässt sich aus den Mitteilungen, welche Caspari (Alte und 
neue Quellen S. 282—289) darüber macht, nicht mit Sicherheit schliessen. 
Vgl. Kattenbusch, D. apost. Symb. I 210. 

*) Vetera analecta 1675 Tom. I p. 21 sq. 1685 Tom. IV p. 317 sqq. 
Edit. sec. 1723 p. 75 — 77. Das Rundschreiben des Kaisers ex Mettensi 
codice, welchen der Mönch Placidus von Beuville (Kongregation von 
St. Vanne) entdeckt hatte. Odilberts Antwort an Karl samt Inhalts- 
angabe seiner Schrift über die Taufe, ex bibliotheca Augiensi. Den Brief 
Odilberts allein druckte auf Grund von Mabillon wieder ab Pertz M. G. 



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10 I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 

Aufsatzes war es, was Mabillon zu diesem Verfahren veranlasste. 
Mehr als dieses Mabillonsche Inhaltsverzeichnis scheint auch 
Martene von der Odilbert9chen Schrift nicht gekannt zu haben. 1 ) 
Aber die Wissbegierde der Gegenwart glaubte sich damit nicht 
zufrieden geben zu können. Caspari bedauerte das souveräne 
Vorgehen Mabillons 9 ), und Kattenbusch stellte Vermutungen 
über einen der Gewährsmänner auf, die Odilbert vorzugsweise aus- 
geschrieben hatte. 8 ) Die Frage schien um so interessanter, als der 
Codex, den Mabillon benutzt hatte, unbekannt geworden war. 

Auch mich zog es bei meinen Versuchen, einen Einblick in 
die karolingische Taufliturgie zu gewinnen, zu der Odilbertschen 
Schrift. Denn wollte man alle diejenigen theologischen Werke 
der karolingischen Periode ausmerzen, die mehr oder weniger 
Excerpte aus den Vätern bilden, so würde überhaupt nicht 
viel übrig bleiben. Galt doch geistige Unselbständigkeit ge- 
radezu als ein wissenschaftlicher Ruhmestitel in jener Zeit. 
Aber trotzdem musste es von höchstem Interesse sein zu 
erfahren, wie einer der hervorragendsten Metropoliten des 
Reiches, der Erzbischof der gerade in liturgischer Hinsicht von 
alters her viel genannten Mailänder Kirche, sich zur Frage nach 
dem Taufceremoniell gestellt habe. 

Unter diesen Umständen bedarf es wohl keiner weiteren 
Rechtfertigung, wenn ich diese bisher nur dem Namen und 
allgemeinen Inhalt nach bekannte Schrift endlich der theolo- 
gischen Welt im vollen Wortlaut vorlege. 

Leges I 171; auf Grund des Cod. St. Pauli in Karinth. XXV ^ Jaffe, Mo- 

num. Carol. p. 403—406 und Boretius M. G. Capitul. reg. Franc. I 247 sq. 

*) De antiq. eccl. ritib. 1736 Tom. I 37: Denique tarn insufilationis 
quam exorcismorum meminere . . . qui de ritibus baptismi scripserunt 
auctores pene omnes, quales sunt Hildephonsus Toletanus archiepiscopus, 
Leidradus Lugdunensis, Magnus Senonensis, Odilbertus Hediolanensis, Ka- 
banus Moguntinus . . . 

2 ) Alte und neue Quellen S. 286: Wo wir doch nur die Titel der 
verschiedenen Abschnitte dieser Schrift erhalten. 

•) D. apost. Symb. I 178: Ich gestehe jedoch, dass ich nicht weiss, 
wer der „Johannes" ist, den er meist nennt. — Vielleicht ist Johannes 
Cassianus gemeint. Jedoch ich lasse alle Mutmassungen dahingestellt. 
Jedenfalls ist es bedauerlich, dass Mabillon so zurückhaltend gewesen; 
soweit mir bekannt, ist das Buch des Odilbert bis jetzt noch nicht ediert. 



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II. Odilbert von 3Iailand und seine Schrift. 



11 



IL Odilbert von Mailand nnd seine Schrift. 

Über den Verfasser des Traktates sind bis jetzt nur wenige 
Daten bekannt. 1 ) 

Odilbert 2 ) der Dicke, erst Bischof von Acqui, seit etwa 803 
Erzbischof von Mailand, 8 ) verdankte die Erhebung zu dieser 
höchsten kirchlichen Würde in Oberitalien dem Unistande, 
dass er ein besonderer Liebling Kaiser Karls war. Natürlich 
brachte ihn die neue exponierte Stellung erst recht in wieder- 
holte Beziehung zu den Gliedern des Kaiserhauses. So nahm 
er Karls zweiten Sohn , den König Pippin von Italien , als 
kranken Mann gastlich bei sich auf und bereitete den Sterben- 
den (8. Juli 810) zum Tode vor. 4 ) Dann krönte er Pippins 

') Papebroch, Acta Sanctorum, Mai Tom. VII p. LVI. LXIX. 
Ughelli, Itaüa sacra, edit. sec. Venetiis 1719. IV 75 sq. Auf Ughelli be- 
rahen vorzugsweise die kurzen Mitteilungen aller übrigen, nämlich von: 
Cave, Scriptor. eccl. historia literaria 1699 p. 198; 1720 p. 434. Oudin, Com- 
mentarius de Script, ecclesiae antiquis 1722. II 1 — 3. Zedier, Universal- \ 
lexikon 1740. XXV 456 f. Jöcher, Allgem. Gelehrtenlexikon 1751. III 1023. N 
* Adelung, Allgem. Gelehrtenlexikon 1816. V 923. Eabricius, Biblioth. lat. - 
med. et infim. aetatis ed. Mansi. 1754. V 161. 

») Die Orthographie des Namens ist natürlich schwankend : Odelbert, 
Odelpert, Odilbert, Odilpert, Odobert, Odolpert, Odopert, Olbert, Oldibert, 
Oldipert, Oldobert, Olibert, Alepert, Alibert, Edelbert. Er selbst unter- 
zeichnete eine Urkunde vom 25. Januar 806, in welcher er dem Abt Ari- 
gausus von St. Ambrosius die Kirche des heil. Vincentius in Prato schenkt, 
mit Odelpertus. weshalb Ughelli diese Schreibweise für die richtige er- 
klärt. Gleichwohl behalte ich aus praktischen Gründen die einmal ein- 
gebürgerte Form bei. 

3 ) Papebroch gibt als Ordinationstag den 13. oder 20. Juli (Sonntag) 
805 an. Ihm schliessen sich Jaffe und Boretius an. Ughelli nennt als Tag, 
an welchem Odilbert seinem Vorgänger Oldrad gefolgt sei, den 1. Ok- 
tober 804 und beruft sich hierfür ohne Berechtigung auf Tristan Calchus 
(vgL Historiae patriae lib. V ed. Graevius 1704. II 173). Dümmler (Gesta 
Berengarii imperatoris p. 164) endlich rechnet, wie vor ihm schon Adelung, 
803 heraus. 

4 ) Dagegen ist die auch von üghelli aufgestellte Behauptung, dass 
Odilbert die Leiche des Königs nach seiner Residenz Verona überführt 
habe, unrichtig. Pippin wurde am 11. Juli in S. Ambrogio in Mailand 
begraben, wo sich heute noch seine Grabschrift befindet. Annal. Laurias, 
min. Pertz M. G. Script. I 121: Sepultus est Mediolanum. Malfatti, Ber- 
nardo re d' Italia p. 63. 58. 



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12 



II. Odilbert von Mailand and seine Schrift. 



Sohn Bernhard zum König von Italien. In das zweitnächste 
Jahr fällt die Abfassung des Liber de baptismo, 1 ) die Antwort 
auf Karls Rundschreiben. 

Nach einer etwa zehnjährigen Amtsführung starb Odilbert 
am 25. Februar 814 und wurde iu S. Ambrogio begraben. 2 ) 

Odilberts Schrift über die Taufe gemahnt unwillkürlich an 
ein Wort Hrabans. Denn ganz wie dieser in seinem Lehrbuch 
über die Bildung der Geistlichen es als sein Ideal ausspricht, 
nichts Eigenes geben zu wollen, 3 ) so verzichtet gleicherweise auch 
der Erzbischof von Mailand durchaus darauf, etwas Neues, 
Originales, Selbständiges zu bieten. Ganz wie 'Hraban sieht 
er seinen Stolz und seine Pflicht ausschliesslich darin, die be- 
währten Urteile kirchlicher Autoritäten aus verschiedenen Jahr- 
hunderten zu wiederholen. Man müsste es befremdlich finden, 
dass einer der ersten Prälaten des Reiches dem Kaiser eine 
Denkschrift einzureichen wagt, die nichts anderes ist als ein 
Konglomerat von unverbunden nebeneinander gestellten Ex- 
cerpten aus heterogenen Schriftstellern, wenn man nicht wüsste, 
dass einer der gelehrtesten Männer des 9. Jahrhunderts nicht 
anders schrieb und nicht anders schreiben wollte. Odilbert ent- 
spricht als litterarischer Charakter durchaus der Richtung und 
dem Geschmack seiner Zeit. 

Ja die Ähnlichkeit zwischen Hraban und Odilbert ist in 

') Es empfiehlt sich diesen der Schrift Odilberts bereits von Mabillon 
beigelegten einfachen Titel beizubehalten, statt des auch gebräuchlichen 
Liber de sacramento baptismi et eius caerimoniis. 

') Den Tag nach Papebroch und Dümmler. Die Angabe bei Ughelli : 
27. April beruht vermutlich auf Verwechselung von V. Kai. Mart. und 
V. Kai. Mai. — Das Jahr 814 geben auch Jane und Boretius an, während 
Dümmler (1. c. p. 164) 813 herausrechnet. 

») De clericor. institut., praef. Ml. 107, 296: Confido omnipotentis 
dei gratiae, quod fidem et sensum catholicum in omnibus tenuerim nec 
per me quasi ex me ea protuli, sed auetoritati innitens maiorum 
per omnia illorum vestigia sum secutus. Cyprianum dico atque Hilarium, 
Ambrosium, Hieronymum. Augustinum, Gregorium, loannem, Damasum, 
Gassiodorum et caeteros nonnullos, quorum dicta alieubi in ipso opere ita 
ut ab eis scripta sunt per convenientiam posui, alieubi quoque eorum sen- 
sum meis verbis propter brevitatem operis strictim enuntiavi. Interdum 
vero ubi necesse fuit secundum exemplar eorum quaedam sensu meo 
protuli. 



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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift. 13 

formeller Hinsicht Doch frappanter. Bei beiden herrscht das 
wörtliche Citat vor. Auch Odilbert findet sich nicht eiDmal 
berechtigt, das fremde Gut irgendwie schön zu verarbeiten. 
Vielmehr geht sein Respekt vor dem litterarischen Eigentum 
soweit, dass er jedesmal den Gewährsmann, hier und da auch 
die Fundstätte genau angibt. Aus einer Anzahl von Büchern, 
die in seiner Bibliothek vor ihm stehen, nimmt er die passen- 
den Citate heraus. Und nur darin dürfte seine eigne geistige 
Arbeit bestanden haben, dass er nicht gerade die ungeschick- 
testen Stellen auswählte. 1 ) Ja so konsequent ist Odilbert in 
diesem seinem Verfahren, dass man sich veranlasst fühlt, auch 
da, wo er seinen Gewährsmann nicht mit Namen anführt, 
gleichwohl nach einem solchen zu suchen und dem Erzbischof 
somit auch den geringsten eignen Beitrag abzusprechen. 

Was nun diese von Odilbert herangezogenen Autoritäten 
selbst anbetrifft, so ist ihre Verwendung nicht ohne Interesse 
und teilweise nicht ohne principielle Bedeutung. 

Nur sieben Stellen entnahm er der heiligen Schrift, unter 
denen drei Worte Jesu (Matth. 28, 19. Mark. 16, 16. Joh. 3, 6), 
den Taufbefehl und die Taufverheissung ausmachend, das erste 
Kapitel bilden. Eines dieser Worte (Mark. 16, 16) kehrt 
später (c. XIV) wieder, und ein viertes Evangeliencitat (Joh. 
6, 57 c. XX) dient nur als Grundlage für ein augustinisches 
Excerpt. Dagegen figurieren je ein Wort des Salomo (Pred. 
9, 8 c. XIX) und des Paulus (Ephes. 5, 26 c. III) als wirk- 
liche Schriftbeweise. 

Unter den citierten Vätern ist der älteste Cyprian. Aus 
seiner Schrift De dominica oratione zog Odilbert denjenigen 
Passus in der Erklärung der vierten Bitte heran, welcher vom 
Abendmahl handelt. Und ausserdem verwendete er charakte- 
ristischerweise bei Besprechung der bischöflichen Handauf- 
legung drei Stellen aus dem 72., 73. und 74. Briefe Cyprians. 

Aus Augustins Johanneskommentar stammen die Defini- 
tionen von Taufe und Abendmahl. 

Um die Notwendigkeit der Exsutflation einzuschärfen, wird 
eine in den Dekretaliensammlungen häufig wiederkehrende 



*) Vgl. hierzu Hauck, Kirchengesch. Deutsch!. II 580. 



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14 



II. Odilbert von Mailand und seine Schrift. 



Verfügung Papst Cälestins I. an die Bischöfe von Gallien be- 
nutzt, welche eine Taufe ohne das hergebrachte Kompetenten- 
ceremoniell vorzunehmen verbietet. 

Bei Besprechung des Effeta finden die Moralien Gregors 
des Grossen zweimal Verwendung, an dieser Stelle wenig passend 
und obendrein mit ungenauem Wortlaut. 

Bessere Hilfe boten die liturgischen Sammelwerke des 
Ambrosius und Isidor. Des ersteren Schrift De mysteriis wird 
fünfmal, De sacramentis zweimal citiert. 1 ) Ferner hat Odilbert 
zwei Stellen aus den Etymologien des Isidor genommen und 
vom 2. Buch der Offizien die Kap. 21 — 23, 25—26 in zehn 
Citaten fast vollständig ausgeschrieben. 

Das letztere gilt auch von der verhältnismässig wenig be- 
kannten Schrift De variis ritibus ad baptismum pertinentibus 
et aliis observatione dignis, einem Briefe, in welchem der 
römische Diakon Johannes dem Patricier Senarius, einem Comes 
Patrimonii oder Domänenverwalter im Dienste Theodorichs des 
Grossen, allerlei Fragen über liturgische Dinge beantwortet. 
Dieser im Anfang des 6. Jahrhunderts lebende Johannes wird 
nicht weniger als vierzehnmal genannt, und zwar finden sich 
sämtliche Citate in den Kap. 3—7 seiner erwähnten Schrift. 

Nur an acht Stellen wird der Gewährsmann von Odilbert 
nicht kenntlich gemacht. Entweder weiss er seinen Namen 
selbst nicht, so bei dem „quidam" c. X, oder er irrt sich in 
dem Namen, so wenn er c. VIII und c. IX zwei Stücke dem 
Isidor zuweist, die sich gleichwohl nicht in Isidors Schriften 
finden, oder wenn er c. XX durch ein zweimaliges „item" aus- 
drücken zu wollen scheint, dass auch die folgenden Abschnitte 
von dem an vorhergehender Stelle genannten Autor, nämlich 
von Augustin, sind, was indessen nicht der Fall ist. 

Solche unsicheren Citate zu verwenden mochte sich Odil- 
bert dann ganz besonders veranlasst sehen, wenn dieselben zu 
seiner Zeit gäng und gäbe waren und anderweitig gern heran- 
gezogen wurden. Dies gilt von der Definition der Begriffe 
Skrutinium und Symbolum, welche in c. VIII bezw. c. IX fälsch- 



') Über Ambrosius als Verfasser von De sacramentis vgl. Dom Ger- 
main Morin in der Rev. Bened. 1894 p. 343 sqq.; 1895 p. 386; 1897 p. 195. 



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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift. 



15 



lieh dem Isidor zugeschrieben werden, und die sich gleich- 
zeitig in den Collectanea dicta de antiquis ritibus baptismi 
eorumque significatu 1 ) bezw. bei Hrabanus Maurus 2 ) finden; 
und ebenso ist es bei der kurzen Notiz über die Schultersalbung 
in c. XIII der Fall, welche Odilbert „alibi" gefunden hat, 
d. h. wohl in jenem überaus häufig begegnenden offiziellen 
Schema des Taufritus, welches unter anderen auch Alkuin in 
zwei seiner Briefe aufgenommen hat. 

So dürften denn als eignes Gut des Odilbert schliesslich 
nur der Schlusssatz von c. VII und der Eingang von c. XX. 
übrig bleiben. 

Die Schrift schliesst sich ohne Titel direkt an die beiden 
Briefe des Kaisers und des Erzbischofs an. Sie zerfällt in 
eine Einleitung (c. I — III) und vier Abschnitte (c. IV— XXII). 

Die Einleitung bietet in c. I die biblischen Aussagen über die 
Taufe, erklärt in c. II Name und Begriff der Taufe durchweg 
mit Worten Isidors und weist in c. III im Anschluss an Am- 
brosius die Wirkungen der Taufe nach, sofern dieselbe eine 
unumgänglich notwendige Verbindung von Wasser und Wort 
repräsentiert. 

Des weiteren handelt der erste Abschnitt (c. IV — VI) vom 
Katechumenat , der zweite (c. VII — XII) von der Taufvor- 
bereitung, der dritte (c. XIII — XVI) vom Taufakt, der vierte 
(c. XVII— XXII) von den unmittelbar auf die Taufe selbst 
folgenden Ceremonien. 

Der Kaiser hat laut seines Fragebogen auch über die 
„Credulitas" seiner Erzbischöfe Auskunft zu erhalten ge- 
wünscht. 3 ) Odilbert ist ihm die Antwort darauf schuldig ge- 
blieben, und wir wissen nicht, ob Karl diese Unterlassung über- 
sehen oder etwa ähnlich gerügt hat wie bei Leidrad von Lyon 
die nicht genügende Erklärung der Abrenuntiation. 4 ) Nur 
das steht fest, dass spätere Leser der Odilbertschen Schrift 
an dem Fehlen der „Credulitas" Anstoss genommen haben und 

l ) Vgl. oben S. 8 Anna. 3. 

) De clericor. institut. II 56. Vgl. Hauck, Kirchengesch. Deutschi. 
II 583 Anm. 2. 

3 ) Vgl. oben S. 4. 

*) Vgl. oben S. 5 Anm. 1. 



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16 



II. Odilbert von Mailand und seine Schrift, 



bestrebt gewesen sind, diese Versäumnis des Verfassers nach- 
zuholen. Sie thaten, was auch Odilbert gethan haben würde, 
und was Hraban jedenfalls gethan hatte, sie nahmen die „Credu- 
Utas" aus Isidors Offizien herüber. 1 ) Nur wie dieser Zusatz mit 
der Odilbertschen Schrift am besten zu vereinigen sei, darüber 
konnte man im Zweifel sein, denn die Zahl der zweiundzwanzig 
Odilbertschen Kapitel durfte nicht alteriert werden. So findet 
sich denn im Codex von St. Paul die „Credulitas" als selb- 
ständiger Anhang hinter dem Traktat und zwar noch hinter 
der Schlussbitte des Schreibers , 2 ) während der Münchener 
Codex sie scheinbar organisch, in Wirklichkeit aber sehr unge- 
schickt dem c. XVI eingliedert. 8 ) Beide Male aber zeigt sich, 
wie wenig der Verbesserer seiner Aufgabe gewachsen war; 
denn was unter dem Titel „Regula fidei" die vermisste „Cre- 
dulitas" Odilberts ersetzen soll, verdient diesen Namen nur im 
ersten Teile, verläuft sich aber alsdann hier wie dort in ein 
regelloses Konglomerat von Excerpten, die abermals das Tauf- 
ceremoniell betreffen. 4 ) 



») Isidor, de eccl. offic. II 24, 1 Ml. 83, 817 A. Vgl. Hraban. 
Maur. de clericor. institut. II 57 Ml. 107, 369. Hauck, Kirchengesch. 
Deutschi. II 583 Anm. 3. Der Abschnitt lautet: De (incipit A£) regula 
fidei. Ysidorus: Post apostolorum symbolum haec est certissima fides 
quam doctores nostri tradiderunt, ut profitearaur patrem et filium et 
spiritum sanctum unius esse essentiae (essentiae P l , om PM) eiusdemque 
potestatis et sempiternitatis (sempiternae trinitatis M) unum deum in- 
visibilem, ita ut in singulis personarum proprietate servata nec substan- 
tialiter trinitas dividi (nec — dividi P 1 , om PM) nec personaliter debeat 
omnino confundi. Patrem quoque confiteri ingenitum. filium genitum (uni- 
genitum P 1 ), spiritum sanctum neque ingenitum neque genitum sed ex 
patre et filio procedentem. Die Erklärung der Siglen siehe S. 23 Anm. 2. 

«) Bl. 146 und 147 a. 

*)B1. :102 b. De trina mersione. Interrogatio. Incipit regula fidei. Ysi- 
dorus: Post apostolorum symbolum ... Bl. 103b: . . . deo gratias. De trina 
mersione. Cur trina fit mersio? Responsio: Nam qui in trinitatis nomine . . . 

*) Im Codex von St. Paul folgen unter der Aufschrift: Item in 
omeliis sancti Augustini, Ausschnitte über Taufe und postbaptismale Akte 
aus den pseudoaugustinischen Traktaten De mysterio baptismatis und De 
unctione capitis et de pedibus lavandis (August, opp. ed. Benedict. Tom. 
VI Appendix Ml. 40, 1209. 1211). sodann aus Ambros. de sacrament. II 7, 
24 und de myster. VII 34, 35, endlich ein in Bezug auf seine Her- 



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III. Die Codices und der Text. 

III. Die Codices und der Text 



17 



Schon vor längerer Zeit stiess ich in einer Münchener 
Handschrift auf einen Abschnitt, der mich lebhaft an die 
kurzen Mitteilungen erinnerte, die Mabillon in seinen Vetera 
analecta aus der Schrift Odilberts gegeben hat. Aber obwohl 
die Mabillonschen Bemerkungen nicht viel Originalität erhoffen 
liessen, vielmehr von vornherein die Erwartungen ziemlich 
her abstimmten, so glaubte ich eben doch nur ein Excerpt aus 
dem echten Odilbert vor mir zu haben. Indessen sollte sich 
diese Vermutung als irrig erweisen ; was damals vor mir lag, war 
die Schrift Odilberts wenigstens der Hauptsache nach selbst. 

Zwar meine Hoffnung, den von Mabillon benutzten Reiche- 
nauer Codex in Karlsruhe zu finden, wohin die meisten Reiche- 
nauer Handschriften gekommen sind, schlug fehl. Dagegen 
bot mir vollständigen Ersatz ein ehemaliger Sanblasiensis, der 
mit den übrigen Schätzen und Sammlungen von St. Blasien 
bei der Aufhebung der vorderösterreichischen Klöster im Jahre 
1807 nach St. Paul im Lavantthal (Kärnten) gekommen war. 
Ja ich hege sogar die Vermutung, dass dieser Sanblasiensis 
von St. Paul mit dem von Mabillon benutzten Augiensis iden- 
tisch ist. Denn wie mir die Verwaltung der Grossh. Hof- und 
Landesbibliothek zu Karlsruhe aufs entgegenkommendste be- 
stätigte, steht die Thatsache fest, dass „ein grosser Teil der 
nun in St. Paul im Lavantthale ruhenden Codices aus St. Blasien 
leihweise aus der Reichenau stammt." Und ich würde sogar 
an dieser Identität nicht den geringsten Zweifel hegen, wenn 
mich nicht der für St. Blasien charakteristische braune Lederein- 
band stutzig machte. Indessen lässt sich die Sache vielleicht so 
erklären, dass die Handschrift, als Mabillon 1683 die deutschen 
Bibliotheken bereiste, sich noch in Reichenau befand, 1 ) dass sie dann 

kunft unbekannter Schluss, der von der Communion des Neugetauften 
handelt. — Der Münchener Codex schliesst sich diesem Elaborat bis zum 
Citat aus Ambros. de sacrament. einschliesslich an, fügt dann aber hinzu : 
Orationes IV quaa memorat sanctus Augustinus. Ita nominat nostra trans- 
latio obsecrationes orationes postulationes gratiarum actiones. Man sieht 
deutlich, dass mit dem guten Willen, eine Ergänzung zu Odilbert zu 
bieten. Wissen und Können des Korrektors nicht Schritt halten. 

*) Noch 1779 erwähnt Ph. W. Gorken unter den 436 Handschriften, 
die er in Reichenau sah, l3idori episcopi Hispalensis liber de offieiis, 
Wiegand, Odilbert von Mailand. 2 



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18 III. Die Codicei und der Text. 

später leihweise nach St. Blasien gelangte, 1 ) hier gegen Ende des 
18. Jahrhunderts aus Versehen oder mit Absicht den St. Blasiener 
Einband erhielt und fortan um dieses ihres neuen Gewandes willen 
nicht mehr für einen Augiensis, sondern für einen Sanblasiensis galt. 

Jedenfalls beruht auf ihr so gut wie ausschliesslich unsere 
Kenntnis der litterarischen Thätigkeit Odilberts, denn sie ent- 
hält den Brief des Kaisers an den Erzbischof, sodann die Ant- 
wort des letzteren und drittens seine Schrift über die Taufe. 
Dieser Umstand wird es begreiflich erscheinen lassen, dass ich 
den Codex selbst eingehend bespreche. 

Die Schrift über die Taufe findet sich ausserdem, wie 
schon gesagt, wenngleich mit einigen leichten Umgestaltungen, 
in dem bereits erwähnten Münchener Codex. 

Für den Brief des Erzbischofs an den Kaiser ist mir hin- 
gegen ausser dem Codex von St. Paul keine weitere Quelle 
bekannt geworden. 

Dagegen ist das kaiserliche Rundschreiben in drei Aus- 
fertigungen auf uns gekommen: 3 ) mit der Adresse des Amalar 
im Cod. Tigurin. C. 102; mit der Adresse des Odilbert (ausser 
in dem von Mabillon genannten Cod. Mettensis) im Cod. von 
St. Paul; ohne Adresse im Cod. epistol. Udalrici und im Cod. 
Zwetlensis 283. Da der Brief hinreichend bekannt ist, so habe 
ich davon abgesehen, sämtliche Codices zur Vergleichung noch- 
mals heranzuziehen und nur dankbar von den Mitteilungen 
Gebrauch gemacht, die mir Herr Dr. Alfred Göldlin von 
Tiefenau in Wien über den Cod. epistol. Udalrici zugehen zu 
lassen die grosse Güte hatte. Dieselben ergänzen in wünschens- 
werter Weise den Boretiusschen Text in den M. G. Capitul. 
reg. Franc. I 246 sq. 

Ich lasse nunmehr die Beschreibung der beiden Hand- 
schriften von St. Paul und München folgen. 

codex membr. in 8vo saec. VIII sive initio IX Iiteris Merovingicis scrip- 
tus (Reisen durch Schwaben, Baiern u. 8. w. 1783 I 165), unter welchem 
Titel unser Codex wahrscheinlich gegangen ist. Siehe unten S. 19. 20 f. 

*) Seitdem 1760. also drei Jahre nach Aufhebung des Klosters, die 
Reichenauer Bibliothek von Martin Gerbert offiziell katalogisiert war 
(Gerbert, Iter Alemann. 1773 p. 287), dürfte sie auch anderen St. Blasiener 
Gelehrten ohne Schwierigkeiten zugänglich gewesen sein. 

*) Siehe oben S. 1 Anm. 2. 



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III. Die Codices and der Text 



19 



1. Cod. S. Pauli in Karinth. XXV |-. 

Pergam. 168 BL 8. long. (7/8 X 17/18) 10. Jahrh. Papp- 
band mit braunem Leder überzogen, dessen Ränder nicht fest- 
geklebt sind ; auf dem Rücken : Isidoms Hispalensis. Beide Deckel 
innen mit beschriebenen Pergamentblättern beklebt. Hinten ein 
als BL 169 gezähltes, verkehrt eingeklebtes Pergamentblatt, mit 
Messgebeten beschrieben. 21 Lagen : Quaternio 1 — 14 regelmässig, 
Quaternio 15 mit eingeklebtem BL 114, Ternio 16, Quinnio 17, 
Quaternio 18 — 20 regelmässig, Quaternio 21 aussieben zusammen- 
geklebten Blättern bestehend. Signierung hinten unten : Lage 2 — 6 
B — F jeder Buchstabe von vier Punkten eingefasst; Lage 7 mit 
ausradiertem H, neben welchem g; ebenso mit kleinen Buch- 
staben signiert Lage 8. 9. 11 — 14 und 16 ; mit Rotstiftsignierung 
Lage 1. 10. 15. 18—21 ; Quinnio 17 ohne Signierung. Hinter BL 18 
und BL 67 je ein den Inhalt der vorhergehenden bezw. folgenden 
Seite ergänzender Schaltfetzen. Das Pergament von sehr ver- 
schiedener Qualität. Schriftzüge, Zeilenzahl und Tinte wechseln 
wiederholt mitten in einer Lage; so entsprechen sich BL 1. 2 
und 7. 8 mit jüngerer Schrift (10. Jahrh.) und blasser Tinte, 
während BL 3—6 und Lage 2 — 7 wieder zusammengehören 
(9. Jahrh.); in Lage 10 haben BL 74 und 79 je 27, alle übrigen 
nur 22 Zeilen. Auch sonst wechselt die Zeilenzahl; Lage 
1—6: 22, 7: 21, 8—9: 28, 10: 22 bezw. 27, 11—13: 28, 
14—17: 27, 18—21: 28 Zeilen. In der Hauptsache stammt 
die Handschrift aus dem 10. Jahrhundert; nicht jünger dürfte 
auch der Korrektor sein, der durchweg mit blasser Tinte nach- 
gebessert hat. 

Leer geblieben waren ursprünglich BL l r . 137 v , halb. 168 v , 
halb. Von ihnen enthalten jetzt BL lr zwei Gebete Ad mo- 
nachum consecrandum (11. Jahrh.), BL 137 v ein Stück eines 
Redemtionenverzeichnisses : x ) Pro uno anno quando in pane et 

*) Über Redemtionen vgl. Schmitz, D. Bussbücher u. d. Bussdisciplin 
d. Kirche I 144—157. Seeberg, Lehrb. d. Dogmengesch. II 30f. Ähn- 
liche Verzeichnisse bei Morinus, Comment. bist, de sacram. poenit. 1702. 
X 16. Wasserschieben, Bussordnung d. abendl. Kirche, passim. Schmitz 
a. a. O. II passim. Über Palmaten vgl. Wetzer u. Welte, Kirchenlexikon 
(2) IX 1317 f. 

2* 



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III. Die Codices und der Text. 



aqua debet penitere, canat psalmus XIIII milia ienua flectendo, 
hoc sunt psalteria 5. XCVI. Et sine genua flectendo psalmus 
2£V milia, hoc sunt psalteria C III. Et pro uno solido psal- 
mus DC, hoc sunt psalteria Uli genua flectendo. Pro V solidos 
missas speciales VI psalmos L palmatas C. Pro I solido 
missa speciales I psalmus L palmatas L. Pro uno anno 
missas speciales XXX. Pro XXX denarios psalterium I. 
Pro untias III psalterios II. Pro untias VI psalterios 1H. 
Pro solidos XII psalterios VI. Pro solidos XX psalterios VIII. 
XXIIII missas speciales pro psalterios VIII. 

Inhalt. 1) Isidori Hispal. de ecdesiasticis officiis libri (Ml. 83, 
737—826). 

Bl. l v : Incipit praefatio libri officiorum sancti Ysidori. 
Domino meo et dei servo .... Quaeris a me originem . . . 
Explicit praefatio. 

Incipiunt capitula. I. De ecclesia vel vocabulo christia- 
norum 

Bl. 2 bei V. De psalmis die Randbemerkung: Perfecta vox 
est alta clara et suavis. Alta ut in sublime sufficiat, clara ut 
aures adimpleat, suavis ut animos audientium blandiatur. An- 
tiqui cantores pridie quam cantandum erat, abstinenti salibus 
utebantur leguminibus, unde vulgo fabiarii vocantur. Nota quid 
deceat cbristianum, si hoc fecere gentiles. 

Bl. 2 V . . . . XLIII1. De carnium esu vel piscium. Ex- 
pliciunt capitula. 

Bl. 3. Item incipit prologus de origine officiorum. Ea 
quae in officiis aecclesiasticis .... 

Bl. 52: . . . Explicit über primus Ysidori sancti episcopi 
iunioris Spaniensis. Incipit liber secundus. 

Bl. 52*: Quoniam originis causasque officiorum .... In- 
cipiunt capitula libri secundi. I. De clericis .... XXVI. De 
manus inpositione vel confirmatione. 

Bl. 53: Expliciunt capitula. Incipit liber secundus. Ita- 
que omnes qui in ecclesiastici .... 

Bl. 100: . . . Explicit liber secundus Esidori episcopi iuni- 
oris Spanensis de origine et generibus officiorum. 

2) Isid&ri Hispal. differentiamm liber secundus. De differentiis 
rerum (Ml. 83, 69—98). 



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III. Die Codices und der Text. 



21 



Bl. 100: Incipit III differenciarum eiusdem. Inter deum 
et dominum . . . 

Bl. 133 v : XLII. De distinctionibus quattuor yiciorum. 
Contra haec tarnen . . . = Ml. 83, 95 Cap. XL. 

Bl. 136 *: ... et tartari inferna promeruit {Ml. 83, 98). 
Es folgen noch: XLIII. Inter iusticiam et iudicium. XLIV. 
Inter castitatem et continentiam. XLV. Inter adulterium et 
fornicationem. XL VI. Inter impium et peccatorem. XL VII. 
Inter iniquitatem et peccatum, welche bei Migne bexw. Arevalo 
nicht abgedruckt sind. 

Bl. 137": Dispositis nonnullis differentiarum sententiis dein- 
ceps sacramentorum aecclesiasticorum distinctio subiciatur. Quid 
ergo inter caticuminum et competentem vel christianum distin- 
guitur, agnoscamus. Omnis enim qui sacramenti consequi fidem 
nititur, prius caticuminus, dehinc conpetens vel electus, post mo- 
dum fidelis, ad ultimum christianus efficitur. Dum enim quique 
a gentilitate conversus symbolum accipiat verbique dei auditor 
efficiatur, caticuminus nominatur. Hic primura tantum inun- 
guitur, nondum tarnen baptizatur, iuxta quod ait sanctus Augus- 
tinus : Caticuminus tantum inunctus est et nondum tarnen lotus 
est. Hiermit bricht der erste Teil der Handschrift mitten au f der Seite ab. 

3) Bl. 138 : Aar;« Brief an Odübert : In nomine patris et filii . . . 
Bl. 139: Odilberts Brief an Karl: Domino christianissimo et 

a deo .... 

Bl. 140 v : Odilberts Schrift über Taufe und Taufceremonien : 
... De baptismi precepto. In evangelio. 

4) Bl. 146: Ysidorus de regula fidei. Post apostolorum 
symbolum . . . 

Bl. 147: . . . quatenus ad vi tarn aeternam valeant pervenire. 

o) Erklärung des Taufordo in 11 Capiteln von einem unbekannten 
Verfasser : 

Bl. 147: Cap. I. Cur caticuminus infans efficitur? Cati- 
cuminus ideo primo efficitur infans .... Cap. IL Scrutinium 
est illud quo a sacerdotibus .... 

Bl. 147 v : . . . Cap. III. Symbolum grece dicitur quod in 
latino . . . Cap. IV. Abrenuntiare quidem est despicere atque 
derelinquiere .... 

Bl. 148 : . . . Cap. V. Exorcismum grece latine coniuratio 



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III. Die Codices und der Text. 



sive sermo . . . Cap. VI. Sal autem in rainisterio caticuminus 
dandus a patribus .... Cap. VII. Nares ideo tanguntur de 
sputo et aures et effeta dicitur .... 

Bl. 148* ': . . . Cap. VIII. Pectus vero ideo unguitur deo 
scapulaeque signantur . . . 

Bl. 149: . . . Cap. Villi. AI bis vestibus propterea indu- 
untur in Christo renati .... Cap. X. Crisma grece latine 
unctio nominatur, ex cuius nomine .... cap. XI. 

Bl. 149*: Corpore autem et sanguine dominico ideo con- 
firmantur .... 

6") Schetna des fränkischen Taufordo. Aufgenommen unt. 
and. in Alcuini epist. 261 ad Oduinum. Jaß, Monument. Alcuiniana 
p. 824 sq. Bl. 149*: . . . Ratio de sacro baptismate. Primo 
paganus caticuminus fit accedens ad baptismum .... 

Bl. 150: ... . qui fuit in baptismo per gratiam yitae do- 
natus aeternae. Explicit. 

7) Excerpt aus Hrabans Schrift De vistitatione clericorum Buch I 
und II. Vgl. Ml. 107, 297—378. 

Bl. 150 *: Incipiunt capitula excerptionis sequentis. I. De 
una dei ecclesia catholica .... XXXIII. De ordine nrissae. 

1. Aecclesia ergo dei catholica a Christi nomine .... 
Bl. 157: . . . . sacerdotis. Tunc praedicetur a diacono ü- 

centia eundi peracta missa. Prior libellus finitur. 

Capitula libri secundi. Primum. De officiis et orationibus 
canonicarum horarum .... 

Bl. 157 v : . . . LVIII. De heresibus variis. Incipit liber se- 
cundus. I. Explicato missae ab apostolis et apostolicis viris . . . 

Bl. 168*: . . . licet de ecclesia non recesserit tarnen here- 
ticus appellari potest. Explicit Uber II. 

2. Cod. lat. Monac. 14581 (Em. F. 84). Pergam. 4. 

Bl. 1—163. 11. Jahrh. Bl. 164—174. 14. Jahrh. Über 
den Inhalt der Handschrift vgl. Catalogus cod. latin. biblioth. 
reg. Monacensis Tom. II pars II p. 196 sq. 

Cod. Monac. bietet die Arbeit Odilberts nicht als selbst- 
ständige Schrift, wie er denn auch die beiden Briefe des Kaisers 
und des Erzbischofs nicht erwähnt, sondern als Bestandteil 
eines Konglomerats von Excerpten über die Taufe (Bl. 97 — 108), 



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in. Die Codices und der Text. 23 

das (Bl. 97) den Titel führt: Incipit Uber III de officio et 
ordine baptisterii ex autenticis libris prudenter collectus, ohne 
dass klar ersichtlich wäre, welche unter den voraufgehenden 
Schriften als liber I und über II (vgl. Bl. 78: In Christi 
nomine incipit liber II de officio missae scilicet expositio 
ethica et theorica per interrogationem et responsionem a quo- 
dam sapiente edita und Bl. 108: Incipit Uber IUI de aecclesia- 
sticis institutis ex kanonica auctoritate prolatis atque capitulatim 
degestis allocutio pontificia ad sacerdotes) gedacht sind. Und 
zwar sind in diesem Abschnitt Bl. 100 — 105 identisch mit 
Odilberts Schrift über die Taufe abgesehen von der einge- 
sprengten Regula fidei (Bl. 102 v — 103 V) 

Interessant aber ist, dass im Cod. Monac. die Schrift Odil- 
berts nicht in der ursprünglichen Form erscheint, sondern 
dass die einzelnen Kapitel sehr hölzern in Frage und Antwort 
gestellt sind. Meist ist nur die alte Überschrift in eine Frage 
umgewandelt, und das Kapitel selbst folgt mit unbedeutender 
Veränderung der Anfangsworte als Antwort. Dabei bleiben die 
von Odilbert geflissentlich namhaft gemachten Gewährsmänner 
nunmehr ungenannt. Aus der die Meinungen der Väter referieren- 
den Denkschrift Odilberts über die Taufceremonien ist ein Schul- 
buch geworden, eine Art viertes Hauptstück über die Taufe, 
nur dass es nicht mit der Gemeinde eingeübt worden sein 
dürfte, sondern mit dem jungen Klerus in den Klosterschulen. 

1. Karoli M. ad Odilbertum epistola. 2 ) 

In nomine patris et filii et Spiritus sancti. Karolus Sere- 
nissimus augustus a deo coronatus, magnus pacificus imperator 
Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei 
rex Franchorum et Langobardorum, Odilberto venerabili archie- 5 
piscopo in domino salutem. 

*) Siehe oben S. 16 Anm. 3. 4. 

*) Abkürzungen im Folgenden: Cod. St. Pauli in Karinth. XXV y 

(= P). Cod. lat. Monac. 14581 (= M). Cod. Vindob. iur. can. 46, nunc. 
398 (= V). Boretius M. G. Capit. reg. Franc. (=Bor). Jaffe Monum. Carol. 
(= Jaf). Die Zahlen im Apparat bezeichnen die Zeilen des Textes. Abge- 
sehen Ton Kleinigkeiten ist die Überlieferung ziemlich übereinstimmend. 
6 Bor Francorum. — P Odilberto 7 N. Txdt supra p. 2. 



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III. Die Codices and der Text. 



Saephi8 tecum immo et cum ceteris collegis tuis familiäre 
conloquium de utilitate sanctae dei ecclesiae habere voluisse- 
mus, si absque molestia corporali id effici potuisset. Sed 
quamvis sanctitatem tuam in divinis rebus tota inten tioüe vigi- 
5 lare non ignoremus, omittere tarnen non possumus, quin tuam 
devotionem sancto incitante spiritu nostris apicibus conpellamus 
atque commoneamus, ut magis ac magis in sancta dei ecclesia 
studiose ac vigilanti cura laborare studeas in praedicatione 
sancta et doctrina salutari, quatenus per tuam devotissimam 
10 sollertiam verbum vitae aeternae crescat et currat, et multipli- 
cetur numerus populi christiani in laudem et gloriam salvatoris 
nostri dei. 

Nosse itaque per tua scripta aut per te ipsum volmnus, 
qualiter tu et suffraganei tui doceatis et instruatis sacerdotes 

16 dei et plebem vobis commissam de baptismi sacramento, id est 
cur'primo infans catechumenus efficitur vel quid sit catechumenus. 
Deinde per ordinem omnia quae aguntur. De scrutinio, quid 
sit scrutinium. De symbolo, quae sit eius interpretatio se- 
cundum Latinos. De credulitate, quomodo credendum sit in 

20 deum patrem omnipotentem, et in Iesum Christum filium eius 
natum et passum, et in spiritum sanctum, sanctam ecclesiam 
catholicam et cetera quae sequuntur in eodem symbolo. De ab- 
renuntiatione satanae et omnibus operibus eius atque pompis, 
quid sit abrenuntiatio vel quae opera diaboli et pompae eius. 

25 Cur insufflatur vel cur exorcizatur. Cur catechumenus accipit 
salem. Quare tangantur nares , pectus ungatur oleo , cur sca- 
pulae signantur. Quare pectus et scapulae liniantur. Cur albis 
induitur vestimentis. Cur sacro chrismate caput perungitur et 
mystico tegitur velamine. Vel cur corpore et sanguine do- 

30 minico confirmatur. 

1 P V sepius. — * V om dei. — P V aecclesiae. — 3 P V efficere. 

— 6 V om tarnen. — 6 V nostris conpellamus atque commoneamus apici- 
bus. — 7 P V aecclesia. — 8 Jaf predicatione. — 18 P V catecuminus 

— catecuminus — 18 7 quid. — 81 PV aecclesiam. — 24 PV secuntur. — 
J3 PV satane. — 24 PV eius diaboli et pompae. — 35 PV exorzizatur. — 
PF catecuminus. — V accipiat. — 29 V cur tanguntur nares. — Fcur 
pectus. — P unguatur. — V scapuli. — S1 V signentur — V om quare 
pectus et scapulae liniantur. cur albis induitur vestimentis. — M PF cris- 
mate. — P perunguitur. — 30 V confirmetur. 



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III. Die Codices und der Text. 25 



Haec omnia subtili indagine per scripta nobis sicut dixi- 
mus nuntiare satage, vel si ita teneas et praedices aut si 
in hoc quod praedicas te ipsum custodias. 

Bene vale et ora pro nobis. 

2. Odüberti ad Karolum M. respontum 5 

Domino christianissimo et a deo conservato Karolo invi- 
ctissimo atque piissimo imperatori Odilbertus servus servorum 
dei, sanctae vestrae Mediolanensis ecclesiae archiepiscopus et 
orator vester, perennem in Christo domino salutem. 

Igitur inmensae oranipotentis dei nostri misericordiae sine 10 
intermissione omnibus nobis peragendae sunt gratiae, quae vos 
in tarn sublimissimam dignitatem collocavit imperii, simulque 
provolutis genibus omnes eiusdem redemptoris nostri supplice- 
mus clementiam, ut vitam vestram atque incoluraitatem per 
multorum annorum curricula ad profectum omnium ecclesia- 15 
rum dei sive et fidelium populorum vobis a deo commissorum 
conservare dignetur, quia in vestra tranquillitate salutem nostro- 
rum omnium adesse cognoscimus atque tenemus, qui vos solli- 
citudinem habentes orthodoxae fidei magis prae ceteris om- 
nibus qui ante vos christiani imperatores in universo mundo 20 
fuerunt devotione. Quique divino zelo commoti, id est Constan- 
tinus Theodosius maior Martianus et Iustinianus, hi omnes, 
ut christianum populum ab omni erroris macula liberarent, di- 
vinitus inspirati quae domini sacerdotes diffiniebant, illa tarnen 
principali auctoritate confirmabant. Quorum vos meritis et seien- 25 
tia praecellentes , David sanetum imitantes qui se pro populi 
salute in typo nostri exhibuit redemptoris, qui vos — strenuus 
cultor — pro credulitate rectae fidei divino amore accensi de 
domino nostro Iesu Christo dei omnipotentis filio per omnia et 
super omnia, qui, cum sit „splendor gloriae et imago substantiae 30 
eius" et „candor lucis aeternae", „propter nimiam caritatem qua 
dilexit nos" „semetipsum exinanivit", et iuxta apostolicam aueto- 

2 Jaf predices. — 8 Jaf predicas. — P custodies. — 4 V valeas. — 
8 P aecclesiae. — 18 P supplicamus. — 14 P incolomitatem. — 15 P aec- 
clesiarum. — 19 P orthodoxe. — Jaf pre. — P principalis auetoritas 
confirmabat. — 3 * P Jaf semet ipsum. 



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III. Die Codices und der Text. 



ritatem vel cetera quae sequuntur, exhibuit sibi „gloriosani 
ecclesiam non babentem maculam neque rugam", cuius ab- 
luens peccati contagium pretioso sanguine suo, redemptioni 
nostrae tribuens sacramenta, et per actum mysterium post aa- 

5 censionem suam qua ad patrem ascendit, apostolica traditione 
nos confirmans. Qua fidei integritate universis gentibus apostoli 
praedicaverunt , ut nullis ventorum flatibus aut ictibus ad- 
versantium conquassetur ecclesia Christi, sed in vero atque 
perpetuo fundamine permanendo constabilita persistat, sie et 

10 nos confinnati sanetorum patrum spiritalibus instrumentis et 
corroborati, inviolata fide et inlibata de credulitate patris et 
filii et spiritus saneti rectam fidem credimus atque tenemus. 
Sed quid rebgioso convenit prineipi, ut super omnes polleat 
adversos, nisi de bonis sit Semper sollicitus libenter operibus? 

15 Quod vestra sincera pietas summo ainplectit studio, ut neque 
in qualibet parte ecclesia dei vulnerum maculis torpeat, aut in 
ea sanies ignorantiae crescendo ebulliat, sed ut magis vestris 
felicissimis temporibus sacerdotum dei corda accensa ad solli- 
citudinem sint, evigilando yera et recta custodia perseveret, et vos 

20 pro tanti vestri laboris certamine aeterna praemia a domino 
consequi valeatis. Sed nec aliquem nostrum existimamus qui 
verbis eloquii atque cogitatione capi possit, ut putet se omuia 
mysteria caelestia liquido conprebensa tenere. 

Suscipientes nos itaque epistolam a pietate vestri imperii 

25 nobis emissam , qua perfecta redolentiam sensimus nectarei 
suavissimi nimio flagrante odore, multimodas deo nostro gratias 
referentes, qui in corda vestra inspirare dignatus est pro statu 
ecclesiae suae, quod a dementia vestra commoniti, rationem 
verae fidei et quaeque per ordinem gerimus atque docemus 

30 a nobis cognosci debeatis. 

Itaque, etsi ad id quod dominatio vestra flagitat, plenius 
a nobis ipsis nequimus responsa proponi, oportet tarnen ut 
quanto pauperiores nos cognoseimus esse in nostris responsis, 
tanto magis in scripturis sanetis convenit fieri devotiores, ut 

1 P secuntur. — 2 P aecclesiam. — P 1 aut. — 6 P confirmati. — 
7 Bor actibuß. — 8 P aecclesia. — 14 P bonis. Sed. — 15 Jaf aplectit. 
— 16 P aecclesia. — 17 P quod. — 19 P om sint. — 81 P ne. — M P Jaf 
multimodis P l Bor multimodas. — 27 P nostra P 1 vestra. — 24 P aecclesiae. 



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III. Die Codices und der Text. 



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qui propriis sermonibus minores sumus, in dicendo sanctorum 
quoque testimoniis adcrescere valeamus, et de eruditissimorum 
labore, qui nihil in scripturis divinis obscurum reliquerunt vel 
clausuni quod ad veram non perducerent claritatem et „Davidi- 
cam clavem acceperunt, ut aperirent", nobis etiam tribuendo 5 
proficerent in salutem, et labor sanctorum nos inertes securiores 
et paratos faceret ad danda responsa. Haec nos vero non per 
prolixitatem verborum scribendi compendiose temptavimus, sed 
yalde subiecti per humilitatem veram pietati vestrae constrin- 
gentes breviter perscripsimus , currentes per sanctorum patrum 10 
exempla ad significandum dignissimae praesentiae vestrae, 
quae velut mirificis floribus ex nimio rutilat ornata flagranti 
odore, auri ac pretiosarum devincens gemmarum splendorem, cre- 
scente vobis cum pietate sapieutia. Et adesse Semper tenemus, 
a quo veluti vivo fönte et ad instar fluminis ad singulorum inrigan- 15 
da corda dulcedine nimia profluente, mellis et butyri emanante, 
longe lateque decurrens telluris ariditatem per fusionem sui 
implet. Unde petimus, ut dulcia nobis dona magnifici eloquii 
v es tri tribuere dignemini. Sed sicut solis radii mundum inluminant, 
ita scientia nostra sanctae vestrae doctrinae dono circumfusa 20 
fulgescat. Quia quod nobis adipiscendum pro nostra inquisi- 
tione laboriosum esse conspicimus, vos vero plenius, dispen- 
satione dei sancto affluente in visceribus vestris spiritu, niani- 
festare et aperire sacramenta divioa valetis. 

Dominus omnipotens prolixa per tempora gloriam imperii 25 
vestri incolumem conservare dignetur. Amen. 

3. Odilberti liber de baptismo. 

I. De baptismi praecepto in evangelio. 

Ite, inquit Iesus discipulis suis, docete omnes 
gentes baptizantes eos in nomine patris et filii et Spiritus sancti 30 
(Matth. 28, 19). Et qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus 
erit (Marc. 16, 16). Itemque nisi quis renatus fuerit ex aqua 

8 P ut acceperunt aperirent. — 11 Jaf presentiae. — 11 P om splen- 
dorem. — 15 Bor velut a vivo. — 10 MabiUon tribuatis P om dignemini. 
— M P incolomem. — M M De baptismi. Interrogatio: Ubi est baptismi 
praeceptura? Responsio: Ubi dominus discipulis suis ait: Ite docete. — 
S1 M om et. 



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III. Die Codices und der Text. 



et spiritu sancto, non potest introire in regnum caelorum 

(loh. 3, 5). 

II. De interpretatione baptismi. 

Isidorus. Isidorus inquit in ethimologiarum: 
5 ßaptismum, inquit, graece. latine tinctio dicitur. Quae idcirco 
tinctio dicitur, quia ibi homo spiritu gratiae in melius mutatur 
{Isidor, etymolog. lib. VI c. 19, 43 Ml. 82, 256 A). Alibi idem: 
Baptismum enim aqua est, quae tempore passionis de latere 
Christi profluxit {Isidor, de eccl. offw. lib. II c, 25, 3 Ml. 83, 821 Ä). 
10 Coepit ergo perfectum baptismum ad nomen Iesu. Ipse enim 
baptizavit primum in spiritu sancto {Isidor, de eccles. offic. lib. 
II c. 25, 2 Ml. 83, 820 B). 

III. De sacramento baptismi vel quod sit in verbo et aqua. 

Ambrosius: Quid enim aliud est baptismum nisi quia 
15 culpa mergitur et error aboletur, pietas autem et innocentia 
toto permanent? {Amln-os. de myster. c. 3, 12 Ml. 16, 409 D). 
Aqua est qua caro mergitur et omne abluitur caraale peccatum 
{Ambros. de myster. c. 3, 11 Ml. 16, 409 B). Mira fons amarissi- 
mus erat. Misit in eum Moses {Exod. 15, 23 sqq.) lignum et dul- 
20 eis est factus. Aqua enim sine praedicatione dominicae crucis 
ad nullum usum futurae salutis est. Cum ergo salutaris fuerit 
crucis mysterio consecrata, tunc ad usum spiritalis lavacri et 
salutaris poculi temperatur {Ambros. de myster. c. 3, 14 Ml. 16, 
410 A. B). Augustinus: Quid est baptismum? Lavacrum 
25 aquae in verbo. Tolle aquam, non est baptismum. Tolle ver- 
bum, non est baptismum {August, in loh. evang. tretet. XV n. 
4 Ml. 35, 1512). Paulus: Mundans eum lavacro aquae in 
verbo {Eplies. 5, 26). 

8 M Interrogatio : Quid interpretatur baptismus? Responsio: Baptis- 
mum enim grece, latine. — * P Ysidorus. Ysidorus. — 5 P l quod. — 
M om quae idcirco tinctio dicitur. — 6 P3f spiritum. — 7 M Interrogatio : 
Item alibi baptismum quid est? Responsio: Baptismum aqua quae in tem- 
pore. — 10 M cepit. — 14 M Interrogatio: Quid sit baptismum? Re- 
sponsio: Quid enim est aliud baptismum? — 14 M permanent tantum. — 
17 P in nomine. — 18 P Mira P 1 Marath M Mara. — » M misit enim in. 

— P M Moyses. — 22 M misterio. — 44 P Augustinus M Est ergo ba- 
ptismum in verbo et in aqua. Interrogatio. — M Responsio: Layacrum. 

— 24 M et non. — 27 P aquae M atque. 



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III. Die Codices und der Text. 



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IV. De catechumenis et exorcismis. 

Isidor us: Catechumeni sunt qui primum de gentilitate 
veniunt habentes voluntatem credendi in Christum et quod pri- 
mum exhortatiouis praeceptum est in lege (Deuter. 6, 4) : Audi 
Israel, dominus deus tuus deus unus est. Unde et his per 5 
sacerdotem quasi per Mosen deus primum loquitur. Catechu- 
menus id est audiens nominatur, scilicet ut unum agnoscat 
deum et relinquat errores varios idolorum (Isidor, de eccl. offic. 
lib. II c. 21, 1 Ml. 83, 814 G). Exorcizantur autem primum, 
deinde salem accipiunt et unguntur. Exorcismus autem sermo 10 
increpationis est contra inmundum spiritum in energumenis 
sive catechumenis factus, per quod ab Ulis diaboli nequissima 
virtus et inveterata malitia vel violenta incursio expulsa fugetur. 
Hoc significabat lunaticus ille (Matth. IT, 14 — 18) quem in- 
crepabat dominus Iesus et exiit ab illo daemonium. Potestas 15 
autem diaboli exorcizatur et insufflatur in eis, ut ei renuntient 
atque eruditi a potestate tenebrarum in regnum sui domini 
per sacramenta baptismatis transferantur (Isidor, de eccl. offic. 
lib. II c. 21, 2 Ml. 83, 814 C — 675 Ä) et reliqua. 

V. De sufflatione et exsufflatione. 20 

Caelestinus papa: Cum sive parvuli sive iuvenes ad 
regenerationis veniunt sacramentum, non prius fontem vitae adeant 
quam exorcismis et exsufflationibus clericorum Spiritus ab eis in- 
mundus abigatur (Caelest. pap. epist. XXI ad episcop. Galliar. 
c. 12, 13 ML 50, 536 Ä). Iohannes: Exsufflatur igitur et 25 
exorcizatur ut fugato diabolo Christo domino praeparetur 



1 PM catecuminis. — 8 P Ysidorus M Quid sunt cathecumini. 
Responsio: Cathecumini. — P catecumini. — 4 M exortationis P exhor- 
tationes P l exhortationis. — 6 M unus deus. — • PM Moysen. — P 
catecuminus M cathecuminus. — 9 P exorzizantur P l exorcizantur. — 
10 P unguuntur. — M Interrogatio : Quid est exorcismus? Kesponsio: 
Exorcismus. — 11 P erguminis. — 13 P catecuminis M cathecuminis. — 
13 P malicia. — 15 P demonium. — 16 P exorzizatur. — 17 M eruti. — 
51 P Celestinus. — 23 M exorcismus. — 84 M abigatur spiritus. — M P 
exorzizatur. — M praeparatur. 



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30 



HL Die Codices und der Text. 



introitus (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 3 Ml. 59, 402 A) et 
reliqua. 

VI. De salis acceptione. 

Isidor us: Sal autem in ministerio catechumenis a pa- 
5 tribus est institutum ideo dandum, ut eius gustu condimentum 
sapientiae percipiant neque desipiant a sapore Christi (Isidor, 
de eccl. offic. lib. II c. 21> 3 Ml. 83, 815 A). lohannes: Accipit 
etiam catechumenus benedictum sal in quo Signatur, quia sicut 
omnis caro sale condita salvatur, ita sale sapientiae et praedi- 
10 cationis verbi dei mens fiuctibus saeculi madida et fluxa con- 
ditur, ut ad soliditatem stabilitatis digesto penitus corruptionis 
humore divini salis suavitate perveniat (Iohann. Diac. epist. 
ad Senar. c. 3 Ml. 59, 402 A. B). 

VII. De competentibu8. 

15 Isidorus: Post catechumenum enim secundue competen- 
tium gradus est. Competentes autem sunt qui iam post doc- 
trinam fidei, post poenitentiam vitae ad gratiam Christi per- 
cipiendam festinant. Ideoque appellantur competentes id est 
gratiam Christi petentes. Kam catechumeni tantum audiunt, 

20 necdum petunt. Sunt enim quasi hospites et vicini fidelium, 
deforis audiunt mysteria, audiunt gratiam, sed adhuc appellan- 
tur inhdeles. Competentes autem iam petunt iam accipiunt iam 
catechizantur id est imbuuntur instructione sacramentorum. 
Ipsis enim salutare symbolum traditur quasi commonitorium 

25 fidei et sanctae confessionis indicium quo instructi agnoscant, 
quales iam ad gratiam Christi exhibere se debeant (Isidor. 

* P Ysidorus. M Interrogatio : Cur sal a patribus est institutum. 
Responsio. — P catecuminis M cathecuminis. — 6 M om eius. — a P 
dissipiant. — 8 P catecuminus M cathecuminus. — M sal benedictum. 

— 14 PM conpetentibus. — 16 P Ysidorus. M Interrogatio : Quis est se- 
cundus gradus? Responsio. — P catecuminum M cathecuminos. — M 
etiam. — P conpetentium. — 14 M est conpetentium. — P conpetentes 
M Interrogatio : Conpetentes quis? Responsio: Conpetentes. — 17 PM pe- 
nitentiam. — 18 PM conpetentes. — 19 P catecumini M cathecumini. — 
•* PM conpetentes. — " P cathecizantur M catezizantur. — P inbuuntur. 

— «* M inditium. — P agnoscunt. 



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I 

III. Die Codice« und der Text. 



31 



de eccl. offic. lib. II c. 22, 1. 2 Ml. 83, 815 B. C). In his fiunt 
scrutinia secundum formam Septem donorum Spiritus sancti. 

VIII. De scrutinio. 

Isidorus: Fiunt enim scrutinia, ut explorentur, utrum 
in eadem doctrina fidei consistant qua pridem docti a sacerdo- 5 
tibus fuerunt, vel si renuntient maligno spiritui atque mali- 
tiae et pompis illius. (Cf. Coüectanea dieta de antiquis riHbus 
baptismi eorumque sigtiificatu c. 7 Ml. 106, 56). Iohannes: Tunc 

fiunt illa quae ab ecclesiastica consuetudine scrutinia dicuntur. 

Perscrutamur eorum corda per fidem, utrum menti suae post 10 

renuntiationem diaboli sacra verba defixerint (Iohann. Diac. 

epist. ad Senar. c. 4 Ml. 59, 402 B. C) et cetera. 

IX. De catecbesi vel symboli traditione. 

Iobannes: Catechesis graece instructio dicitur. In- 
struitur enim ecclesiastico ministerio per benedictionem im- 15 
ponentis manum, ut intelligat, quid sit quid futurus sit, hoc 
est ex damnabili sanctus fiat, ex iniusto iustus appareat, ad 
postremum filius fiat ex servo (Ioha?m. Diac. epist. ad Senar. c. 
3 Ml. 59, 401 sq.). Isidorus: Symbolum autem hoc multis 
et iustissimis ex causis appellare voluerunt maiores nostri. 20 
Symbolum enim graece et indicium dici potest et collatio 
{Isidor, de eccl. offic. lib. II c. 23, 3 Ml. 83, 816 A. B). Est enim 
symbolum signum, per quod agnoscitur deus, quod quique pro- 
inde credentes accipiunt , ut noverint qualiter contra diabolum 
fidei certamina praepararent, in quo quidem pauca sunt yerba, 25 
sed omnia continent sacramenta. (Cf. Hraban. Maur. de clericor. 
institut. lib. II c. 56 Ml. 107, 369). 

2 M aancti spiritus. — 4 P Sancti Ysidori. M Interrogatio : Cur 
fiunt scrutinia? Kesponsio. — * M renuntiant. — M maliciae. — ' PM aec- 
clesiastica. — M dictantur. — 10 P mentis. — 11 PM definxerint. — lt M 
caetera. — 1$ P catacesis P l cathacesis M cathezesis. — 14 M Iohannes. 
Interrogatio : Cathezesis qua lingua dicitur? Responsio: Greca instructio 
interpretatur. — P catacesis. — P grece. — 14 P mysterio M misterio. 
— PM inponentis. — '«Pintellegat. — M qui sit qui. - » P Ysidorus M 
otn. — il PM grece. — M inditium. — P conlatio M consoiatio. — 
56 P prepararent. 



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III. Die Codices und der Text. 



X. De tactu cum sputo. 

Gregorius: Per salivam itaque quae de capite in os 
labitur supernae contemplationis inrigatio designatur. Quid 
ergo est caput nostrum nisi divinitas, per quam existendi prin- 
5 cipium sumimus ut creatura simus, ut illud Pauli (1. Cor. 11, 3) : 
Caput yiri Christus ? Et quid aliud oris nomine exprimitur nisi 
praedicatorum ordo Signatur? (Gregor, moral. lib. VIII c. 30, 
49 Ml. 75, 832 B). Adiecit quidam: Unde et Philippus, 
qui os lampadis x ) interpretatur, quasi salivae gustum de capite 

10 sumebat, cum Iesus dicebat (loh. 1, 43) : Sequere me. At ille 
quasi bonus odor dei Nathanael cum sputo aures tangebat, cum 
praefulgido sacrae legis sacramento proferebat dicens (loh. 1, 45) : 
Quem scrip8it Moses in lege et prophetae, invenimus Iesum filium 
Ioseph a Nazareth. Item Gregorius: Huic bene et aliud 

15 evangelicum coaptatur exemplum. Redemptor etenim veniens 
Sputum luto miscuit et caeci nati oculos reparavit (loh. 9, 6), quia 
superna gratia carnalem cogitationem nostram per admixtionem 
suae contemplationis inradiat et ab originali caecitate hominem 
ad intellectum reformat (Gregor, moral. lib. VIII c. 30, 49 

20 Ml. 75, 832 C). 

XL De tactu aurium. 

Iohannes: Ideo tanguntur aures eorum, quia per eas 
ad intellectum fides ingreditur (Ioltann. Diac. epist. ad Senar. 
c. 4 Ml. 59, 402 C). Item Ambrosius: Aures ideo a 
25 sacerdote tanguntur, ut aperiantur ad sermonem et ad elo- 
quium sacerdotis (Ambros. de sacrament. Hb. I c. 1, 2 Ml. 16, 
436 Ä). Alibi i dem: Effeta quod est adaperire ut yenturus 

*) Beliebte Ableitung des Namens Philippus aus dem Hebräischen 
-»sS-*» Fackelmund. Vgl. de Lagarde, Onomastica sacra p. 174. 200. 

1 M saliva. — 9 P Gregorius M Quid per tactum salivae? Respon- 
sio. — a M superne. — 4 M est ergo. — M nisi ut. — 7 P predicatorum 
M ordo praedicatorum. — 10 M Iesu. — 11 P Nathanahel. — 18 Ppreful- 
gido. — 19 PM Moyses. — " M om item Gregorius. — M hic. — »• PM 
ceci. — t7 M canalem. — PM ammixtionem. — 18 PM cecitate. — 
89 P Iohannes M Interrogatio : Cur tanguntur aures? Responsio. — 14 M 
om item Ambrosius. — " P eloqium. — 87 M om alibi idem. 



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III. Die Codices und der Text. 



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unusquisque ad gratiam quid interrogetur agnoscat et quid 
respondeat memoriae commendet (Ambros. de myst. c. 1, 3. Ml. 
16, 407 Ä) et cetera. 

XII. De tactu naris. 

Iohannes: Cum vero tanguntur nares eorum, admo- 5 
nentur, ut quamdiu spiritum naribua trahunt in dei servitio 
mandatisque perdurent (IoJiann. Diac. epist. ad Senar. c. 5 Ml. 59, 
402 CD). Ambrosius: Nares autem tangere est ut bonum 
odorem accipiant pietatis aeternae, ut indicatur: Christi enim 
bonus odor sumus deo, quemadmodum dixit apostolus sanctus 10 
(2. Cor. 2, 15). Et sit in eo fidei devotionisque plena flag- 
rantia (Ambros. de sacrament. lib. I c. I 3 Ml. 16, 430 sq.). 
Item in ipso libro: Post haec reserata sunt tibi gancta 
sanctorum, ingressus es regenerationis sacrarium (Ambros. de 
myst. c. 2, 5 Ml. 16, 407 B). 15 

XIII. De unetione pectoris et scapulae. 

Iohannes: Pectus eorum oleo consecrationis perungitur ? 
ut intelligant firma conscientia et puro corde debere promittere, 
quia iam relicto diabolo Christi mandata sectentur (Iohann. 
Diac. epist. ad Senar. c. 6 Ml. 59, 403 A). Alibi: Signan- 20 
tur et scapulae, ut ubique muniatur. (Cf. Alcitini epist. 93. 
261 ed. Joffe p. 390. 825.) 

XIV. De abrenuntiatione. 

Isidor us: Duae sunt quippe pactiones credentium. 
Prima enim pactio est qua renuntiatur diabolo et pompis eiu9 25 
et universae conversationi illius. Secunda pactio est qua se 
credere in patrem et filium et spiritum sanetum confitetur 
(Isidor, de eccl. offic. lib. II c. 25, 5 Ml. 83, 821 Cf), ut illud 

a M memoria. — P conmendat. — 3 M caetera. — 6 P Iohannes 
M Interrogatio : Quid nares. Responsio. — PM ammonentur. — * P 1 
trahant. — 8 M om Ambrosius. — • M dicatur. — 11 M deo. — 19 M 
scapuli. — 17 P Iohannes M Interrogatio: Cur pectus perunguitur? Re- 
sponsio. — 17 P perunguitur. — 18 PM intellegant. — 21 M scapule. — P l 
muniantur. — 24 P Ysidorus. M Interrogatio: Quod sunt pacciones creden- 
tium? Responsio: Due. — 2Ä M conversationis. 

Wiegand, Odilbert von Mailand. 3 



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III. Die Codices and der Text. 



evangelii : Qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus erit (Marc. 
16, 16). Iohannes: Diaboli, inquit, laqueis nisi aliquis inter 
ip8a primitu8 fidei rudimenta veraci professione reuuntians 
exuatur, ad salutaris lavacri gratiam non accedet et ideo 
5 hunc oportet primum catechumenorum adiutorium introire 
(Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 3 Ml. 59, 401 D). 

XV. Utrum pueri per se confessionem faciant? 

1 s i d o r u s : Quod pueri per se renuntiare non possunt, per 
corda et ora gestantium adimpleatur (Isidor, de eccl. offic. Hb. 

10 // c. 21, 3 MI. 83, 815 A). Iohannes: Scire debetis, quia 
dum a parentibus an a quibuslibet aliis offeruntur, ore alieno 
professionis salvari necesse est qui fuerunt ore alieno damnati 
(Iofiann. Diac. epist. ad Senar. c. 7 Ml. 59. 403). 

XVI. De trina mersione. 

15 Iohannes: Nam qui in trinitatis nomine baptizandus ac- 
cedit, ipsam utique trinitatem trina debet demersione signare 
et illius se cognoscere beneficiis debitorem qui tertia die pro 
eo resurrexit a mortuis (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 6 Ml. 59, 
403 B) et cetera quae sequuntur. 

20 XVII. De unctione chrismatis. 

Iohannes: Sumptis dehioc vestibus albis caput eius sacri 
chrismatis unctione perungitur, ut intelligat baptizatus regnum 
in se sacerdotale convenisse (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 6 
MI. 59, 403 B) et reliqua. Isidorus: Unguentum Moses in 
25 exodo iubente domino composuit et confudit, quo primum Aaron 
et filii eius in testimonium sacerdotii peruncti (Exod. c. 30, 22 sqq.), 

2 M om Iohannes. — M inquid. — * M accedat. — * PM catecu- 
minorum. — 7 M Interrogatio: Utrum. — 8 P Ysidorus M om. — M par- 
vuli. — 10 P Iohannes M ftesponsio. — Xi M alieno ore. — 14 M morsione. 
Interrogatio. Incipit regula tidei. Ysidorus. Post apostolorum sj'mbo- 
lum haec est fol 102°- 103". Tide aupra p. 16 n. 3. — 15 P Iohannes 
M Cur trina fit mersio ? Responsio. — '* M itaque. — 19 PM secuntur. — 
M PM crismatis. — 21 PM Iohannes M Interrogatio : Cur caput perunguitur? 
Responsio. — 22 P crismatis. — P perunguetur P l M perunguitur. — P 
intellegat. — 2 » M om se. - " PM Ysidorus. — PM Moyses. — » P 
conposuit. — M quia. 



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III. Die Codices und der Text. 



deDique et reges chrismate sacrabantur, unde et christi nuncu- 
pabantur sicut scriptum est: Nolite tangere christos meos 
(Ps. 104, 15). Eratque eo tempore tantum in regibus et sacer- 
dotibus mystica unctio, qua Christus figurabatur, unde et ipsum 
Domen a chrismate dicitur. Sed postquam Christus dominus 5 
n oster verus rex et sacerdos aeternus a deo caelesti et mystico 
unguento est delibutus, unguento non solum pontifices et reges, 
sed omnis ecclesia unctione chrismatis consecratur pro eo quod 
membrum est aeterni regis et sacerdotis. Ergo quia genus 
regale et sacerdotale sumus (/. Petr. 2, 9), ideo post lavacrum 10 
ungimur, ut Christi nomine consecremur (Isidor, de eccl. offic. 
lib. 11 c. 26, 1. 2. Ml. 83, 823 A— 824 Ä). 

XVIII. De linteolo. 

Ioliannes: Ad imaginem quippe sacerdotii plenius ex- 
primendam renascentis caput lintei decore componitur. Nam 15 
sacerdotes iilius temporis quodam mystico velamine caput semper 
ornabant (lohann. Diac. epist. ad Senar. c. 0 Ml. 59, 403 B). 

XIX. De albis vestibus. 

Idem: Cuncti renati albis vestibus induuntur ad ministe- 
rium resurgentis ecclesiae, sicut ipse dominus coram discipulis 20 
transfiguratus ut dicitur : Resplenduit facies eius sicut so), vesti- 
menta autem eius facta sunt Candida sicut nix (Matth. 17, 2). 
— Utuntur igitur albis vestibus, ut quorum primae nativitatis 
infantiam vetusti erroris pannus fuscaverat, habitus secundae re- 
generationis gloriae proferat indumentum (lohann. Diac. epist. 25 
ad Senar. c. ü Ml. 59, 403 B. C). Salomonius: Semper 
inquit sint vestimenta tua Candida (Eccles. 9, 8). 



1 P crismate. — M nuucupantur. — * Af mistica. — P ipsud M ipsu. 
— 6 P crismate. — « M celcsti. — M mistico. — 7 P 1 delibatus. — • PM 
aecclesia. — P crisDiatis. — 3f consecrantur. — 10 PM ungruimur. — 14 P 
Iohannes M Interrogatio : Cur lintei decore componitur? Responsio. — 
15 PM om caput. — P conponitur. — 19 P idem M Our vestibus albis 
cuncti renati induuntur? Responsio: Ad mysterium itaque renascentis. — 
P mysterium. — 20 P aecclesiae. — 22 M om autem. — 24 P pannoa. — 
2 « M Salomon. — 87 P inquid. 

3* 



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III. Die Codices und der Text. 



XX. De communicatione corporis Christi. 

Dignum omnimodo est, ut ad mensam sponsi caelestis 
nuptiali veste circumdatus homo novus occurrat. In evan- 
gelio: Qui manducat carnem meam et bibit sanguinem meum, 
5 in me maoet et ego in eo {loh. 6, 57). Augustinus: 
Hoc ergo est manducare illam escam et illum bibere calicem, 
in Christo manere et illum manentem in se habere; ac per 
hoc qui non manet in Christo et in quo non manet Christus, 
procul dubio nec manducat eins carnem nec bibit eius san- 

10 guinem, etiamsi ante rei sacramentum ad iudicium sibi man- 
ducat et bibit (August, in loh. evang. tract. XXVI n. 18 
Ml. 35, 1614). Item: Sicut hoc ergo in vos convertitur, 
cum id manducatis et bibitis, sie et vos in corpus Christi 
convertimini, cum oboedientes et pie vivetis. Item: Estote quod 

15 videtis, capite quod estis. Cyprianus: Manifestum est eos 
vivere qui corpus Christi attingunt et eucharistiam iure com- 
municationis aeeipiunt. Ita contra timendum est et orandum, 
ne, dum quis abstentus separatur a Christi corpore, remaneat a 
salute comminante ipso et dicente: Nisi ederitis carnem filii 

20 hominis et biberitis sanguinem eius, non habebitis vitam in vobis 
(loh. 6, 54). Et ideo panem nostrum id est Christum dari 
nobis quotidie petimus, ut qui in Christo manemus et viviraus 
a sanetificatione eius et corpore non recedamus (Cyprian, de do- 
minic. orat, c. 18 Opp. ed. Härtel I 280 sq.). 

25 XXI. De impositione manus pontificis. 

Isidorus: Manus impositio ideo fit, ut per benedicti- 
onem advocatus invitetur spiritus sanetus. Tunc enim ille 
paracletus post mundata et benedicta corpora libens a patre 
descendit (Isidor, eiymolog. lib. VI c. 19, 54 Ml. 82, 256 C. D) 

4 M evangelio dominus dicit. — M meam carnem. — M meum san- 
guinem. — 8 M om Augustinus. — • M est ergo. — M potum. — 10 M 
etiam sit. Migne sed magis tantae. — 11 M 1 bibat. — 18 M corpore. — 
u M obedientes estis. — 15 P Ciprianus M om. — ia P conmunicationis. 
— 17 P ita contra M et cetera. — u M extraneus remaneat. — 19 M 
cominante. — M P cotidie M cottidie. — * 5 PM inpositione. — 26 P Ysi- 
dorus M om. — PM inpositio. — 28 PM paraclitus. 



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III. Die Codices und der Text. 



37 



et cetera. Cyprianus: Quod Dune quoque apud nos geritur, 
ut qui in ecclesia baptizantur, praepositis ecclesiae offerantur 
et nostra oratione ac manus impositione spiritum sanctum 
coDsequantur et signaculo dominico consummentur (Cyprian, epist. 
73 c. 9 Opp. ed. Härtel II 785). Idem: Porro autem nou per 5 
manus impositionem quis nascitur quando accipit spiritum san- 
ctum, sed in baptismo, ut spiritum sanctum iam natus accipiat, 
sicut in primo homine Adam factum est. Ante eum deus 
plasmavit et tunc insufflavit in faciem eius spiraculum vitae 
(Cyprian, epist. 74 c. 7 Opp. ed. Härtel II 804). Item idem: 10 
Tunc enim demum plene sanctificari et esse filii dei possunt, 
si sacramento utroque nascantur, cum scriptum sit (loh. 3, 5): 
Nisi quis renatus fuerit ex aqua et spiritu sancto, non potest 
introire in regnum dei (Cyprian, epist. 72 c. 1 Opp. ed. Härtel 
II 775). 15 

XXII. De pedum nuditate. 

Iohannes: Hi etiam nudis pedibus iubentur incedere, ut 
depositis morticinis et carnalibus indumentis cognoscant se illius 
vitae iter arripere, in qua nihil asperum, nihil potest inveniri 
nocivum (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. G Ml. 59. 403 Ä). 20 

Finit feliciter. Ha^ o'kqitctwqi. 

1 P Ciprianus M Cap. — * P aecclesia. — PM aecclesiae. — PM 
offeruntur. — 8 M nostram orationem. — P inpositione M inpositionem. 

— 4 P consumentui-. M dominico consignantur. — 5 M idem cap. — 
P aut. — 6 P inpositionem. — P' accepit. — • P antea. — • M vite. 

— 10 M om item idem. — 11 P dono. — 17 M om Iohannes. — 18 M si. 

— 18 PM aspere. — M invenire. — " P finit feliciter. 7ra| agtnrajpi 
M De vestimentis candidis. Cur post hec accipiuntur vestimenta Candida? 
Responsio: Ut etc. 



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38 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

IT. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten 
Taufordo des 9. Jahrhunderts. 

Die sämtlichen Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts, 
welche von Katechumenat und Taufe handeln, einschliesslich 
der erzbischöflichen Antwortschreiben an Karl, gliedern sich 
in zwei Gruppen, jenachdem sie nämlich den Nachdruck auf 
eine Darstellung des ersteren, des natürlich durchweg cere- 
moniellen Katechumenates, oder der letzteren, der speciellen 
Taufliturgie, legen. Und zwar ist diese Differenz nicht zufällig 
oder bloss im Belieben des einzelnen Autors begründet. Sie 
entspricht vielmehr den beiden divergierenden liturgischen 
Formularen jener Zeit, einem älteren, das noch im 9. Jahrhundert 
nachweisbar ist, und einem jüngeren, das sich zu Karls des 
Grossen Zeiten und unter seinem Einfluss im Frankenreiche 
durchsetzt, dessen Herkunft aber noch durchaus im Dunkeln 
liegt.*) 

Das erstere ist der bekannte Skrutinienritus, der bereits 
im 6. Jahrhundert in Rom begegnet und sich mehr und mehr 
kunstvoll entwickelt, bis er endlich im sog. 7. römischen Ordo 
seine endgiltige Ausgestaltung in der Form von sieben die 
letzten Fastenwochen umspannenden Skrutinienmessen findet. 
Im 7. Jahrhundert wandert dieser Ritus auch nach Franken 
hinüber und verdrängt hier die alte einfache und charakte- 
ristische Katechumenats- und Taufliturgie. Ja so gross war 
die Vorliebe der fränkischen Kirche für die Skrutinienmessen, 
dass man dieselben in völlig unpassender Weise gallischen wie 
römischen Messbüchern eingliederte. Besonders breit figurierten 
sie fortan im gelasianischen Sakramentar, so dass dieses letztere, 
zumal es nur in derartigen interpolierten Exemplaren auf uns 
gekommen ist, heutzutage geradezu als die wichtigste Quelle des 
Skrutinienritus gilt. Wenn man von den Skrutinien des Gela- 
sianums spricht, so meint man jene die Tauf Vorbereitung bilden- 

l ) Uber Skrutinienritus und Taufordo vgl. Näheres in meiner gleich- 
zeitig erscheinenden Schrift : Symbol und Katechumenat (Die Stellung des 
apostolischen Symboluins im kirchlichen Leben des Mittelalters. Band I) 
§ 11—13. 16. 17. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 39 



den Gebete und Cerenionien, welche, obwohl von Rom ursprüng- 
lich ausgegangen, gleichwohl erst auf fränkischem Boden dem 
römischen Messbuch aus Bequemlichkeitsrücksichten und wider- 
sinnig genug eingegliedert wurden. Es ist unzweifelhaft, dass 
dieser Skrutinienritus während des 9. Jahrhunderts noch eben- 
sowohl in Amiens und Trier wie in Aquileja und Rom in 
Übung stand. 

Gleichwohl gehörte die Zukunft dem eigentlichen Taufordo, 
der in der Erwägung, dass die Skrutinien eigentlich nur für 
die Taufe von Erwachsenen passten, und im Hinblick auf die 
zur Zeit vorwiegend in Übung stehende Kindertaufe, jene kom- 
plizierte mehrwöchentliche Taufvorbereitung in einen einzigen 
der Taufhandlung unmittelbar vorangehenden liturgischen Akt 
zusammenzog. Somit bildeten also Katechumenat und Taufe 
samt den der Taufe unmittelbar folgenden Ceremonien ein ein- 
heitliches Ganzes. Die Tauferziehung bekam wieder den ur- 
sprünglichen Charakter eines Unterrichtes, der völlig selbständig 
entweder, bei Erwachsenen, der Taufe zeitlich voranging oder, 
bei Kindern, ihr zeitlich folgte. So berühren sich die Ge- 
pflogenheiten der Alten Kirche mit denen des Mittelalters seit 
dem 9. Jahrhundert, während die zwischen liegenden drei Jahr- 
hunderte eine auf die Dauer unhaltbare Zwitterbildung repräsen- 
tieren, die sich nur daraus erklären lässt, dass man um jeden 
Preis ehrwürdige Einrichtungen wenigstens dem Namen nach 
festhalten wollte, obwohl sie mit den thatsächlichen Verhält- 
nissen der Zeit im Widerspruch standen. Jener neue Tauf- 
ordo liegt uns in einer Art von offiziellem Schema in zwei 
Briefen Alkuins vor. *) Und ebenso repräsentieren ihn das Antwort- 
schreiben Theodulfs von Orleans und bis zu einem gewissen Grad 
auch die des Leidrad von Lyon und des Maxentius von Aquileja. 

Es ist nicht ohne Interesse zu sehen, nach welcher von 
beiden Richtungen hin der Vertreter der mailändischen Kirche 
neigt. Aus diesem Grunde empfiehlt sich zum Schluss noch 
ein näheres Eingehen auf die einzelnen Kapitel der Odilbertschen 
Schrift. 



*) Epist. 93 ad monachos Gothiae. Epist. 261 ad Oduinum presbyt. 
Jaffe\ Monum. Alcuin. p. 390 sq. 824 sq. 



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40 IV, Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

Nach altkirchlichem Brauche musste jeder, der vom 
Heidentum zum Christentum übertreten wollte, zuvor Katechu- 
mene werden. Zu diesem Zwecke meldete er sich bei einem 
Geistlichen, der ihn in einer kurzen Ansprache über das 
Christentum im allgemeinen orientierte und ihn zugleich einer 
liturgischen Ceremonie unterzog; er ward angehaucht, an der 
Stirn mit dem Kreuze bezeichnet, bekam unter Gebet die Hand 
aufgelegt und erhielt Salz gereicht. Dadurch sollte er der 
Macht des Satans und der Welt entrückt und dem Gekreu- 
zigten und seiner Gemeinde zugewiesen werden. Denn der 
darauffolgende in der Regel zweijährige Katechumenat war 
gedacht als eine Zeit der Selbstprüfung, während welcher sich 
der willentliche Bruch mit den Idolen des Heidentums und der 
bewusste Ubergang zum Monotheismus vollzog. Diese Einrich- 
tung war verständlich und naturgemäss in Zeiten und Ländern, 
wo Kirche und heidnischer Staat bezw. heidnische Gesellschaft 
wie zwei feindliche Mächte mit einander rangen und die Taufe 
den bewussten Übertritt von der einen Partei zur anderen repräsen- 
tierte. Gleichwohl behauptete sie sich, wenngleich nur der 
Idee und dem Namen nach auch noch dann, als man in der 
Regel bloss Kinder christlicher und in ausschliesslich christlicher 
Umgebung lebender Eltern taufte. Denn der Katechumenat hörte 
zwar notgedrungen auf, ein Erziehungsinstitut zu sein, und da- 
mit fiel alles hin, was, wie jene kurze Ansprache, an Belehrung 
oder Unterricht erinnern konnte. Aber an der Spitze des Tauf- 
ceremoniells begegnet nach wie vor ein Abschnitt, der sich Kate- 
chumenat nennt, 1 ) obwohl er ausschliesslich liturgischen Charakter 
trägt Im Zeitalter der Skrutinienmessen erscheint dieser sog. 
Katechumenat in der Gestalt eines Aufnahmeaktes am Mitt- 
woch nach Okuli. Das Ceremoniell besteht nach wie vor aus 
Exsufflation, Kreuzeszeichnung, Hand auf legung und Salzdar- 
reichung; 2 ) dagegen fehlt das belehrende Wort. 

J ) Am nüchternsten beurteilt Theodulf von Orleans (Liber de ordine 
baptismi c. 1 Ml. 105, 224) diese Thatsache : Quod modo infantes catechu- 
meni efficiuntur, antiquus mos servatur. 

*) Sacraraent. Gelasian. I 71. Dagegen fehlt im österlichen Parallel- 
formular (I 30. 32), welches die dem 7. römischen Ordo entsprechenden 
Gebete und Formeln enthält, die Exsufflation. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 41 

Auch Odilbert beginnt (c. IV) der Tradition gemäss die 
Taufe mit dem Begriff „Catecumini u und der althergebrachten 
Definition des Katechumenats als eines Übertrittes aus dem 
Lager der Götzen in das Herrschaftsgebiet Christi. Dieser 
Katechumenat besteht aber, da auch der letzte Rest jener Ein- 
führungsansprache weggefallen ist, auch bei ihm natürlich nur 
aus Ceremonien, nämlich aus dem Exorcismus , der Exsuffla- 
tion, der Salzdarreichung und der Salbung. 

Der Exorcismus an dieser Stelle erscheint als Neuerung. 
Derselbe bildete von alters her die charakteristische Eigentüm- 
lichkeit der Kompetentenzeit, wobei dahingestellt bleiben mag, 
wie oft, an welchen Orten, von welchen Persönlichkeiten und 
unter welchen Ceremonien er vollzogen wurde. 1 ) Dagegen hat 
die Alte Kirche nie die Neigung gehabt, das gesamte Taufvor- 
bereitungs verfahren gleich mit einem Exorcismus zu beginnen. 
Höchstens war dies bei schlecht getauften Häretikern der Fall, 
welche zur katholischen Kirche übertraten. Aber dieses Ver- 
fahren trägt dann mehr den Charakter einer Busse als den einer 
schlichten Aufnahme. 2 ) 

Gleichwohl kann sich Odilbert nicht bloss auf seinen Ge- 
währsmann Isidor berufen, der Exorcisation, Salzdarreichung 
und Salbung als Katechumenatsakte bezeichnet, sondern schon 
Johannes Diaconus gibt neben der unter Handauflegung zu 
vollziehenden Katechese, neben der Exsufflation und neben der 
Salzdarreichung, den Exorcismus als Bestandteil des Katechu- 
menats an. 8 ) Und ebenso rechnet Ildefonsus den Exorcismus 
unter die Katechumenatsakte. 4 ) Und in der That ist ja auch 
die Grenze zwischen Exsufflation und Exorcisation — dort 
Austreibung des bösen Geistes durch Hauchen, hier durch 
Sprechen — eine so flüssige, dass wenn einmal die eine Cere- 
monie an der Spitze der Taufvorbereitung Platz gegriffen hatte, 

') Vgl. mein : Symbol und Katechumenat S. 14. 54 f. 

9 ) Vgl. den angeblichen 7. Kanon des 2. Konzils von Konstantinopel: 
Udvrag Tovg an aviätv frekotnas 7it>o6TifreaQai r7; oQfrodo&q tos "EkXrjvas 
dixofted'a . . . eha rqt> Tpirrjv e^oQxi^outv uvtovs fiein tov ip<pvoäv tq'vxov 
als to -xQoaomov xai eis tec miu uviur». Hefele, Conciliengescb. II 26—28. 

a ) Epistola ad Senarium c. 3 Ml. 59, 401 sq. 

4 ) Annotationen de cognitione baptismi c. 21-26 Ml. 96, 120-123. 



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42 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

die andere ihr alsbald folgen musste. Es brauchte eben nur zur 
Ceremonie die Vollzugsformel hinzuzutreten. 1 ) 

Deshalb machen denn auch Odilbert und seine Gewährs- 
männer, wie es scheint, so gut wie gar keinen Unterschied 
zwischen Exsufflation und Exorcisation (c. V), sondern fassen 
sie durchweg als engverbuuden und nahezu als identisch auf. 

Auch das verdient Beachtung, dass Odilbert die Begriffe 
sufflatio, exsufflatio, insufflatio durchweg unterschiedslos ge- 
braucht, also die geradezu gegensätzliche Bedeutung der beiden 
letzteren — Aushauchen nämlich den Teufel, und — Einhauchen 
nämlich Christus, — wie sie später gang und gäbe ist, durch- 
aus nicht kennt. 

Wenn sodann Odilbert weder von der Kreuzeszeichnung 
noch von der Handauflegung spricht, so kann durchaus nicht 
ohne weiteres gefolgert werden , dass dieselben ihm unbekannt 
gewesen oder von ihm nicht gehandhabt worden seien. Es 
ist sogar schwer denkbar, dass diese beiden allgemeinsten litur- 
gischen Handlungen, welche die Kirche zu allen Zeiten aus- 
geübt hat, jemals in Vergessenheit geraten wären. Eher ist 
anzunehmen, dass Odilbert, gerade weil sie so allbekannt und 
häufig waren, eine besondere Erwähnung derselben nicht für 
notwendig erachtete. 2 ) 

Die Salzdarreichung (c. VI) war im ganzen Abendlande 
und zu allen Zeiten gebräuchlich. Nur die Kirche von Toledo 
hat sich bis in das 7. Jahrhundert gegen dieselbe ablehnend 
verhalten aus Gründen, die nicht bekannt sind. 3 ) Was ihr 
diese Verbreitung gesichert hat, war indessen nicht jene von 



*) So in einem Ordo ad catechuraenum faciendum der Kirche von 
Tours, den Martene (De antiq. eccl. ritibus 1736. Tom. I col. 42—45) 
abdruckte: Sacerdos insufflet tribus vieibus in faciem eius, dicens: In- 
sufflo te, diabole, in nomine patris, ut exeas et recedas ab hoc famulo dei, 
quem tua fraude deeepisti. Insufflo te, diabole, in nomine filii, ut exeas etc. 
Insufflo te, diabole, in nomine spiritus saneti etc. 

a ) Immerhin will beachtet sein, dass auch die übrigen Liturgiker sie 
jedenfalls an dieser Stelle nicht nennen. 

8 ) Ildefons, de cognit. bapt. c. 26: Catechumeni in nonnullis locis, ut 
refertur, sales aeeipinnt velut significato sapientiae condimento. Sed licet 
forsitan, ut dicitur, quia sola hoc antiquitas commendavit, adeo uaque- 
quaquam non probatur. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 43 

Odilbert weiter gegebene mystische Deutung sondern der Um- 
stand, dass in der Alten Kirche das Salz als Surrogat des den 
Katechumenen noch versagten Abendmahlssakramentes galt. 1 ) 
Schon aus diesem Grunde dürfte sie ebenso wie die übrigen Ein- 
führungsceremonien während der folgenden Katechumenenzeit 
seitens der Alten Kirche öfters wiederholt worden sein. 

Dass endlich auch Salbungen an den Katechumenen vor- 
genommen seien, erwähnt Isidor, onne jedoch irgendwie näher 
darauf einzugehen. Vielmehr hat es den Anschein, als ob es 
sich ihm dabei nur um eine ganz generelle Angabe handelt. Auch 
Odilbert wiederholt nur mechanisch das Wort Isidors (c. IV: 
Et unguntur), 2 ) so dass nicht anzunehmen ist, dass an dieser Stelle 
die mailändische Kirche einen besonderen Salbungsakt gekannt 
hat. Selbstverständlich haben bei dem Citate Isidors alle 
diejenigen Salbungen ausser Betracht zu bleiben, welche dem 
Taufakt direkt voraufgehen oder folgen. Es kann sich nur um 
solche vielleicht mit den Exorcismen zusammenhängende Sal- 
bungen handeln, wie sie Ildefonsus von Toledo für den Eintritt 
der Kinder in die Taufvorbereitung vorschreibt. Dieser ward näm- 
lich in Erinnerung an die Johannestaufe als an eine Taufe zur 
Busse ebenfalls als Bussakt gefasst. Deshalb wurden die Kinder 
über ausgebreitete rauhe Felle geführt, um vom Priester gesalbt 
zu werden. 3 ) Hat also Mailand im Katechumenat eine Salbung 

») Synode zu Hippo 393 can. 3 (3Iansi, Conc. coli. III 919 Hefele, 
Conciliengesch. II 56): Ut etiam per solcmnissimos paschales dies sacra- 
mentum catechumenis non detur nisi soliturn salis. August, de peccat. 
merit. et remiss. lib. II c. 26. 42: Et quod accipiunt, quamvis non sit 
corpus Christi, sanctum est tarnen et sanetius quam eibi quibus alimur, 
quoniam sacraraentum est. Vgl. De catech. rud. c. 50. Confesa. I 11, 17. 

*) Dasselbe ist der Fall bei Leidrad von Lyon, der in seinem Liber 
do sacramento baptismi ad Carolum 31. imperatorem c. 1 ebenfalls die 
Worte Isidors: Exorcizantur primum, deinde salem accipiunt et unguntur 
mechanisch abschreibt, ohne auf den letzten Begriff näher einzugehen 
Ml. 99, 856. 857. 

3 ) Ildefons, de cognit. bapt, c. 14: Quod per straraenta ciliciorum ad 
oleandum saeerdotibus parvuli dedueuntur. ut poenilcntiae Signum habe- 
ant propter opus, qui poenitentiac opera demonstrare non possunt propter 
aetatis tempus. c.21 : Qui postexorcismorumincrepationt-m opportune veniunt 
ad olei unetionem. Vgl. 2. Synode von Maeon can. 3 (Mansi, Conc. coli. 
IX 951. Hefele, Conciliengesch. III 40): Praecipimua ut impositionem 



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44 IV. A nmerkuogen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

gehabt, dann kann dieselbe nicht von Rom stammen, sondern 
muss eine Eigentümlichkeit gewesen sein, welche Mailand mit 
der spanisch-fränkischen Kirche gemein hatte. 1 ) 

Auch an der zweiten Stufe des Katechumenats , an der 
Stufe der Kompetenten oder der Taufvorbereitung im engeren 
Sinne hält Odilbert (c. VII) dem Namen und der Idee nach 
fest. Dieselbe fiel in der Alten Kirche im grossen und ganzen 
mit der Fastenzeit zusammen. Der Taufkandidat wurde einer 
Anzahl von Gebetsübungen unterstellt, den sog. Skrutinien, bei 
welchen die Ceremonien des Einführungsaktes wiederkehrten, 
besonders häufig aber die in die Form des Gebetes gekleideten 
Exorcismen vorgenommen wurden, die den Betreffenden von 
allem teuflisch heidnischen Wesen lösen und seiuein christ- 
lichen Ziele nähern sollten. Der letztere Gesichtspunkt, die 
Hinkehr zu einem neuen Leben der Zukunft, waltete aber be- 
sonders bei den vorzugsweise erziehlichen Katechisationen vor, 
dem positiven Gegenstück zu den Skrutinien. Und ihren Höhe- 
punkt fand die ganze Kompeteuteuzeit in zwei glanzvollen Ver- 
sammlungen, in welchen das apostolische Symbol den Tauf- 
kandidaten vom Bischof übergeben d. h. dem Wortlaute nach 
mitgeteilt und dann von diesen, nachdem es fleissig memoriert 
war, zurückgegeben wurde. 

manuum certis diebus adepti et sacri olei liquore peruncti legitimi diei 
festivitate fruantur et sacro baptismate regenerentur. 

] ) Auffallend ist jedenfalls, dasa Beroldus (Ecclesiae Ambrosianae 
Mediolanensis kalendarium et ordines saec. XII ed. Magistretti p. 92) 
noch im Anfang des 12. Jahrhunderts an der Spitze der Taufvorberoitung 
in Mailand eine Ceremonie des „Chrismon" kennt, welche jenem spanischen 
Buss- und Salbungsakt überaus ähnlich sieht (Debent quaerere cilicium ab 
archiepiscopo et debent portare in medio ecclesiae et facere chrismon super 
illud de cinere. — Omnes pariter masculi et foeminae intrant in ecclesiam 
et vadunt ubi chrismon est). Vgl. auch den Ordo ecclesiae Ambrosianae 
in solemni baptismo sabbato sancto bei Muratori, Antiquit. italic. med. 
aevi 1741 Tom. IV p. 841 — 844; ferner Landulfus sen., Historia Mediolan. 
1 12 M. (x. Script. VIII 42. Magistretti. der die Ceremonie bei Odilbert nicht 
angedeutet fand, glaubte deshalb an der Authenticität des Liber de ba- 
ptismo zweifeln zu sollen (Beroldus p. 207 n. 184: Non credo genuinum 
antistitis nostri opus), hat aber dieses Bedenken neuerdings (La liturgia 
della Chiesa Milanese nel secolo IV. 1899 p. 8) wieder aufgegeben. Mög- 
licherweise ist das „Chrismon*' de« Beroldus bereits in dem „et unguntur' 
des Odilbert angedeutet. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 45 

Auch diese Verhältnisse erfahren seit dem 6. Jahrhundert 
eine merkliche Änderung entsprechend dem Umstände, dass 
es die Kirche bei der Taufe fast ausschliesslich mit Kindern 
christlicher Eltern und nicht mehr mit erwachsenen Heiden zu 
thun hat. Dazu tritt noch das gesteigerte Interesse am Aus- 
bau der Liturgie, welches namentlich von Rom aus immer neue 
Nahrung empfängt. Infolgedessen bekommen die liturgischen 
Exorcisationsgottesdienste fortan die stereotype Form von sieben 
kunstvoll durchgebildeten Skrutinienm essen, unter denen wieder- 
um zwei durch den feierlichen Akt der Übergabe und der 
Rückgabe des Symbols besonders ausgezeichnet sind. Hingegen 
fallen die Katechisationen in jenen Jahrhunderten für die Tauf- 
vorbereitung ganz fort, denn alle Belehrung und Erziehung ge- 
hört bei Kindern naturgemäss der Zeit nach der Taufe an. 
Indessen behält man wenigstens den Namen bei. Denn das 
letzte der Taufe unmittelbar voraufgehende Skrutinium besteht 
aus Katechisation und Symbolrückgabe. Erstere aber ist nichts 
anderes als die Verbindung der bekannten Ceremonien der 
Signation und Exorcisation mit dem Effeta, der Benetzung von 
Nase und Ohren des Täuflings mit Speichel. 1 ) Daraus erklärt 
sich denn auch die sonderbare Verkehrung derBegriffe bei Odilbert. 

Dass es zum Wesen der Kompetenten gehöre, katechisiert 
zu werden, schreibt Odilbert dem Isidor nach, ebenso dass 
ihnen das Symbol mitgeteilt wird. Aber er fügt dann selb- 
ständig hinzu, dass an ihnen die sieben Skrutinien vorgenommen 
werden (c. VII). 

Was nun diese letzteren anbetrifft, so ist die Definition 
(c. VIII) deshalb nicht uninteressant, weil in der That das 
Zeitalter Karls nicht mehr wusste, was es eigentlich unter 
diesem Begriff zu verstehen habe, wie denn des Kaisers Frage: 
De scrutinio, quid sit scrutinium? auch durchweg verschieden 
beantwortet ist. 2 ) Nach Odilbert ist das Skrutinium eine Prü- 

*) Den Beleg siehe in meinem: Symbol und Katechumenat S. 236. 

a ) Besonders charakteristisch von Leidrad (Lib. de sacram. bapt. 
c. 1): Haec tota actio quae super catechumenis etcompeten 
tibus celebratur. a quibusdam scrutinium nominatur, non ob aliud, ut 
putamus, nisi a scrutando iuxta illud psalmistae : Scrutans corda et renea 
deus. Eo quod ibi scrutarentur corda credentium et dubitantium a aacer- 



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46 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

fung nicht sowohl des ausreichenden Wissens oder der rechten 
Erkenntnis (worauf man allenfalls das „utrum in eadem doctrina 
fidei consistant qua pridem docti a sacerdotibus fuerunt** deuten 
könnte) als der rechten Herzensstellung. Es sind die Exor- 
cismen darunter zu verstehen, insofern es sich bei ihnen darum 
handelt nachzuforschen, in weichem Masse die Macht des 
Satans im Täufling noch vorhanden bezw. im Schwinden be- 
griffen ist 

Der Zahl nach sind ihrer sieben entsprechend den sieben 
Gaben des heiligen Geistes. Das erinnert natürlich an die sieben 
Skrutinienmessen des Gelasianums, und an sich wäre es auch 
keineswegs wunderbar, wenn dieselben damals in Mailand im 
Gebrauch gestanden hätten, begegnen sie doch während des 
y. Jahrhunderts im Norden des Reiches ebensowohl wie in 
Aquileja und Rom. 1 ) Aber auffallend erscheint, dass ein solch 
reich entwickeltes Ceremoniell wie diese Skrutinienmessen von 
Odilbert nur ganz beiläufig angedeutet sein sollte. Der Erzbischof 
macht auch nicht den geringsten Versuch, sie irgendwie eingehen- 
der zu besprechen. Das ist um so merkwürdiger, als gleichzeitig 
zwei andere Prälaten, in deren Diöcesen jene Skrutinienmessen 
in Übung standen, Jesse von Amiens und Amalar von Trier, 
in ihren Antwortschreiben an Karl das Stichwort Skrutinium 
zu einer detaillierten Darstellung eben jenes Ritus benutzen. 2 ) 
Demgegenüber erscheint die kurze Bemerkung Odilberts fast 
wie eine Interpolation, als welche sie freilich nicht in Frage 
kommen kann, da sie sich in allen Handschriften findet. Wohl 
aber ist denkbar, dass Odilbert unter jenen sieben Skrutinien, 
die er beiläufig erwähnt, nicht Skrutinienmessen, sondern ein- 

dotibus ut intelligerent quis ad baptismum iam rite admitteretur, qui ad- 
huc differretur. Juxta hoc et dominus in evangelio ait: Scrutamini 
3cripturas. 

*) In Aquileja nach Ausweis des Aquileiense catechumenorum scru- 
tinium (abgedr. in Fr. Io. Franc. Bernard. Mar. de Rubeis, De vetustis 
liturgicis aliisque sacris ritibus. Venet. 1754 c. 10), in welchem Patriarch 
Lupo I (nach 856) handelnd eingeführt wird. Für Rom hingegen ist be- 
weisend ausser Amalar. de eccl. offic, bes. I 8, der Cod. Sessorianus 52, 
vgl. Rev. Bened. 1897 p. 481-488. 

') Jesse von Amiens, Epistola de baptismo Ml. 105, 782 —785. Ama- 
lar von Trier, Epistola de caerimoniis baptismi Ml. 99, 894 — 897. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 47 



fache Exorcisationen verstand, die in dieser Anzahl recht gut 
im mailändischen Taufordo vorhanden sein konnten. *) 

Ausser den Skrutinien gehören in die Kompetentenzeit die 
Symbolübergabe und ' 2 ) die Katechese (c. IX). 

Uber die erstere ist nicht viel zu sagen. Sie bestand 
natürlich nur in einer einfachen Recitation des Symbols. In- 
dessen ist auch das charakteristisch, dass Odilbert von der im 
alten Katechumenat wie unter der Herrschaft des Skrutinien- 
ritus glänzend entwickelten Feierlichkeit der Symbol Übergabe 
nichts zu sagen weiss. Er nennt sie nur in der Überschrift 
und erörtert im übrigen ausschliesslich den Begriff Symbolum.*) 

Hingegen ist Odilberts Erklärung von Katechese nur zu 
verstehen, wenn man sich der mit diesem Begriff inzwischen vor- 
genommenen Umgestaltung erinnert. Sie ist schon bei Johannes 
Diakonus eine unter Handauflegung sich vollziehende Unter- 
weisung über das, was der Täufling jetzt ist, und was er nach 
der Taufe sein wird. Man wird an das vom Skrutinien formular 
vorgeschriebene Exorcisationsgebet erinnert: 4 ) Ut exeas et re- 
cedas ab hoc famulo dei quem hodie dominus deus noster Ie- 
su8 Christus ad suam sanctam gratiam et benedictionem fon- 

*) Beroldus und der oben S. 44 Anm. 1 genannte Ordo kennen Rom- 
petentengottesdienste an den Samstagen vor Okuli, Lätare und Judika, 
entsprechend der alten römischen und neapolitanischen Gepflogenheit (vgl. 
mein: Symbol und Katechumenat S. 170—173. 218). Man wusste also auch 
im 12. Jahrhundert nichts von sieben Skrutinienmessen in Mailand. 

2 j vel = et. Ducange, Glossarium VI 755. 

3 ) Die späteren Mailänder Ordines kennen einen Kompetentengottes- 
dienst, bei welchem das Symbol übergeben wurde, am Samstag vor Palm- 
sonntag. Vgl. auch Ambrosianae missae ritus et ordo bei Pamel, Liturgica 
Latinorum 1571 1 336 sq. Ebenso in den Observationcs de ritu Ambrosiano V 
16 bei Mabillon. Museum Italicum Tom 1 p. 2 pag. 108. freilich mit dem 
Zusatz: Haec pro traditione symboli quae in recentioribus missalibus am- 
plius non comparent. In der That bietet Gerbert (Monunienta vetcris li- 
turgiac Alcraannicae 164) dieselbe Messe, ohne dabei die Symbolübergabe 
zu erwähuen. Auch Leidrad von Lyon und Theodulf von Orleans er- 
wähnen die Übergabe des Symbols nur beiläufig, während Maxentius von 
Aquileja und Magnus von Sens nicht einmal den Namen nennen. 

4 ) Sacrament. Gelas. I 42. Zu Johannes Diakonus vgl. Holtzmann, 
Die Katechese der alten Kirche (in den Theolog. Abhandlungen. Carl 
von Weizsäcker zu seinem siebzigsten Geburtstage 11. Dec. 1892 gewidmet) 
S. 94. 



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48 IV. Anmerkungen zu dem durch Üdilbert repräsentierten Taufordo etc- 

temque baptismatis doDO vocare dignatus est, ut fiat eius tem- 
plum per aquam regenerationi9 in remissionem omnium pecca- 
torum in nomine domini nostri Iesu Christi. Denn gleicherweise 
handelt es sich auch bei dieser sog. Katechese Odilberts nur um 
das der Taufe direkt voraufgehende wichtigste Exorcisations- 
gebet. 1 ) 

Für das Effeta gehen die Gewährsmänner weit zurück, und 
Odilbert (c. X — XII) ist daher in der Lage, über diese Cere- 
monie mehr als ausführlich zu referieren , freilich sehr auf 
Kosten der Übersichtlichkeit, denn er bringt in c. X auch 
Ausdeutungen der Lippen- und Augensalbung bei, nach denen 
der Kaiser nicht gefragt hatte, und die sich gewiss auch nur 
ausnahmsweise im Taufvorbereitungsceremoniell irgend einer 
Kirche in jener Zeit nachweisen lassen. 2 ) Dagegen ist die 
Benetzung von Ohren und Nase mit Speichel wohlbekannt. 

Man berief sich für dieselbe auf die Heilung des Taub- 
stummen (Mark. 7, 31), liess aber gleichwohl aus Gründen der 
Delikatesse an Stelle der Berührung des Mundes die der Nase 
treten. 3 ) Mit diesem Akte, der im Vorhof des Baptisteriums 

») Siehe oben S. 45. 

fl ) Vgl. Leidrad von Lyon, Liber de sacram. bapt. c. 2: Alii etiam os 
tangunt oleo ad exemplum dominicum. Leidrad mochte dabei an die 
Sitte der Kirche von Toledo denken, wo im Frühgottesdienst des Palm- 
sonntags an den Katechumenen das Effeta in der Weise vollzogen wurde, 
dass ihnen der Priester Ohren und Zunge mit Ol salbte auf Grund von 
Mark. 7, 31 — 37. Ildefons, de cognit. bapt. c. 27 — 29. Anecdota Mared- 
solana I 411. 

*) Ambros. de myster. 1, 4: Sed ille (Christus) os tetigit, quia et 
mutum curabat et virum, in altero, ut os eius infusac sono vocis aperiret, 
in altero. quia tactus iste virum decebat, feminam non decebat. De sa- 
crament. I 1, 3: Sed dicis mihi: Quare nares? Ibi quia mutus erat, os 
tetigit, ut quia loqui non poterat sacram enta caelestia. vocem acciperet a 
Christo. Et ibi quia vir; hic quia mulieres baptizantur et non eadem pu- 
ritas servi quanta et domini, ideo propter gratiam operis et muneris non 
os tarigit episcopus sed nares. Anders Maximus von Turin (De baptismo 
tract. I Ml. 57. 774) : Nares quoque vestras oleo benedictionis adunximus. 
Dazu die mystische Ausdeutung: Adhuc subtilior intellectus in hac na- 
rium unctione Signatur. Illius enim olei odor, quod in Christi nomine et 
virtute benedictum est. ad odoratum vos provocat spiritalem. ut non cor- 
poris sed mentis sensibus Christum inaestimabili suavitate sentire possitis ; 
et delectati notitia oris eius, ipsius vestigia subsequentes dicere valeatis 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 49 

vorgenommen wurde, schloss die Taufvorbereitung in alter Zeit ; 
unmittelbar darauf öffneten sieb die Thüren des Taufraumes. 1 ) 
Ganz entsprechend findet sich das Effeta unter der Herrschaft 
der Skrutinienmessen im siebenten d. h. letzten Skrutinium, wenn- 
gleich den eigentlichen Schluss hier eine Symbolrückgabe bildet. 
Dicht vor dem Taufakt endlich treffen wir es wieder bei Odilbert. 

Dagegen hat diese Ohrenöffnung mit der feierlichen 
Skrutinienmesse in apertione aurium nichts zu thun. Die 
letztere, eine durchaus eigenartige Erscheinung, weist höchstens 
mit dem toletanischen Ceremoniell am Palmsonntag eine Ver- 
wandtschaft auf. 

Dem siebenten und letzten Skrutinium, welchem die Ohren- 
öffnung angehörte, fehlte die feste Einfügung in den Rahmen 
der Messe. Man schwankte in seiner Beurteilung, indem man 
in ihm bald den Abschluss der Vorbereitungsgottesdienste 
sah, bald die Eröffnung des Taufaktes, dem es ja in der That 
fast unmittelbar voranging. Diese Unsicherheit im allgemeinen 
hatte natürlich leicht Änderungen im einzelnen zur Folge. 
Dahin gehört eine Erweiterung, welche jenes Skrutinium auf 
fränkischem Boden erfuhr; nach der letzten grossen Exor- 
cisation und dem Effeta nahm der Täufling den Kampf gegen 
den Satan gewissermassen persönlich auf, indem er sich wie der 
Kämpfer in der Arena Brust und Oberarme salben liess und 
gleichzeitig in dreimaliger Absage den Austritt aus dem teuf- 
lischen Vasallenverhältnis erklärte. 

Damit soll freilich nicht gesagt sein, dass Olsalbung an 
Brust und Schultern und Abrenuntiation Produkte der jungen 
fränkischen Kirche gewesen seien; nur ihre Vereinigung mit 
dem siebenten Skrutinium und ihre Hinzurechnung zu der 

illud quod ad deum credentium chorus loquitur: Post te in odorem un- 
guentorum tuorum currimus (Cant. I 3). Hier ist also nicht bloss an Stelle 
des Mundes die Nase, sondern auch an Stelle des Speichels das Ol ge- 
treten. Die Ausdeutung behielt auch fernerhin ihre Geltung, so hat Leid- 
rad von Lyon (De Sacram. bapt. c. 2) sich dieselbe wörtlich angeeignet, 
wenngleich er es im übrigen zweifelhaft lässt, ob in seiner Gemeinde die 
Benetzung mit Speichel oder die Salbung mit Öl das Übliche war. 

x ) Ambros. de myster. 2, 5: Post haec reserata tibi sunt saneta 
sanetorum, ingressus es regenerationis sacrarium. 

Wiegand, Odilbert von Mailand. 4 



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50 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 



Taufvorbereitung dürften sich auf die fränkische Kirche zurück- 
führen. Denn die Ölsalbung war zur Zeit des Ambrosius der 
erste Akt nach dem Eintritt in das Baptisterium, eröffnete also 
die Tauffeierlichkeit selbst. 1 ) 

Ihr schloBS sich von ältester Zeit her die Abrenuntiation 
als zweiter Akt an, 9 ) bis auch sie im Zeitalter des Skrutmien- 
ritus der Taufvorbereitung zugewiesen, d. h. im letzten am 
Ostersamstag stattfindenden Skrutinium vorgenommen wurde. 

*) Ambros. de sacrament. I 2, 4 : Venimus ad fbntem, ingressus es. Oc- 
currit tibi levita, occurrit presbyter, unctus es quasi athleta Christi, quasi 
luctam huius saeculi luctaturus, professus es luctaminis tui certamina. 

a ) Für die enge Zusammengehörigkeit beider in unserem Zeitalter 
vgl. Leidrad von Lyon, Lib. de sacram. bapt. c. 2: Unguntur etiam nunc 
catechumeni in pectore et inter scapulas oleo exorcizato, cum abrenuntiant 
satanae et operibus ac pompis eius. — Der bestimmte Wortlaut der Ab- 
renuntiationsformel hat sich erst allmählich herauskristallisiert. Bei Am- 
brosius ist sie vier- bezw. fünfteilig. Hexaemeron I 4, 14: Tibi diabole 
et angelis tuis et operibus tuis et imperiis tuis. De sacram. I 2, 5: Di- 
abolo et operibus eius, saeculo et voluptatibus eius. De myster. II 5: Di- 
abolo et operibus eius, mundo et luxuriae eius ac voluptatibus. Ebenso 
Hieronymus (Epist. 130 ad Demetriadem c. 7 Ml. 22, 1113): Tibi diabole et 
saeculo tuo et pompae tuae et operibus tuis. Niceta von Remesiana 
scheint eine nur zweiteilige Formel (diabolo et operibus eius) gehabt zu 
haben; doch führt er sie, wenn er darauf zu sprechen kommt, jedesmal 
weiter aus, besonders um die Bedeutung der opera und ihre Beziehung 
zu allen Seiten des menschlichen Lebens hervorzuheben. Vgl. Explanat. 
symb. c. 1 : Inimico et angelis eius et universae magicae curiositati quae 
constat eius per angelos satanae. Deinde operibus eius malis et culturae, 
idolis sortibus et auguriis, pompis et theatris. fornicationibus ebrietatibus 
choris atque mendaciis. Sog. Denissches Fragment III (Ml. 52, 873—876) : 
Diabolo, diabolicae vanitati. Deinde operibus eius malignis. id est cultu- 
ris et idolis, sortibus et auguriis, pompis et theatris, furtis et fraudibus, 
homicidiis et fornicationibus, superbiae et iactantiae, irae et avaritiae, co- 
messationibus et ebriositatibus, choris atque mendaciis et his airailibus malis. 
Die Bedeutung des Wortes pompae, welches später mit diabolus und opera 
zusammen die stereotype dreiteilige Formel bildet, erhellt aus seiner 
häufigen Zusammenstellung mit theatra ; die pompae bilden die „praeeipua 
pars circensium," die „sollemnis simulacrorum deduetio quae honoris causa 
per publicas urbis vias ad circum usque habebatur, antequam circenses 
ludi ederentur," also die feierliche Prozession der Götterbildnisse. Vgl. 
hierzu Tertull. de spectac. c. 7. Sie repräsentieren also die das Gemüt 
der Heiden beherrschende Macht des Götzendienstes im eigentlichsten 
Sinne. Und der Abscheu gegen diese pompae hielt sich daher auch noch, 



■ 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 5 1 

Das letztere entschieden mit Unrecht. Denn wenngleich Öl- 
salbung und Abrenuntiation eng zusammengehören, ja die Ab- 
renuntiation überhaupt nichts anderes ist als die Vollzugsformel 
der Ölsalbung, so sind noch viel weniger Abrenuntiation und 
Glaubensbefragung zu trennen; denn die letztere ist das posi- 
tive Gegenstück zur ersteren. Die Glaubensbefragung aber galt 
zu allen Zeiten als ein integrierender Bestandteil des Tauf- 
aktes. 1 ) Odilbert handelt daher durchaus korrekt, wenn er 
beide in einem Kapitel (c. XIV) zusammenzieht. Ölsalbung, 
Abrenuntiation und Glaubensbefragung eröffnen bei ihm wieder 
wie bei Ambrosius den Taufakt (c. XIII. XIV). 

Dagegen fehlt bei Odilbert jede Erinnerung an eine Rück- 
gabe des Symbols. In der Zeit des altkirchlichen Katechu- 
menates hatte dieselbe den Abschluss der Kompetentenzeit, der 
Taufvorbereitung, gebildet. Sie war ein hochbedeutsamer Vor- 
ais Konstantin die Götterbilderprozession selbst aus dem Programm der 
Circensischen Spiele gestrieben hatte. Denn die Christen des 4. Jahr- 
hunderts bezogen den Namen auf die Circensischen Spiele mit ihrem der 
sittlichreligiösen und geistigen Lebensauffassung des Christen wider- 
streitenden Charakter überhaupt. Vgl. Cyrill von Jerusalem, catech. 19 
(mystag. 1.) c. 6: Tto/uni] de foaßolov iari &eaTpoftat>iat ttai Innod^o/utat, 
xwrjyeota xai näaa xotatnrj (iaiai6rr]s. Salvian. de gubernat. dei VI 6: 
Quae est in baptismo salutari christianorum prima confessio? Quae scili- 
cet nisi ut renuntiare se diabolo ac pompis eius atque spectacuüs et operi- 
bus protestentur? Ergo spectacula et pompae etiam iuxta nostram pro- 
fessionem opera sunt diaboli. De symbolo ad catechumenos sermo III 
c. 1, 1 (August, opp. Tom. VI Appendix Ml. 40, 652 sq.): Pompae diaboli 
sunt quaeque illicita desideria, quae turpant, non quae exornant animam, 
ut sunt desideria carnis, desideria oculorum, ambitiones saeculi. Ad con- 
cupiscentiara carnis pertinent illecebrae voluptatum, ad coneupiscentiam 
oculorum nugacitas spectaculorum, ad ambitionem saeculi insana superbia. 
In der Abrenuntiationsformel lassen sich die pompae bereits bei Tertullian 
(De corona mil. c. 3: Diabolo et pompae et angelis eius. Vgl. De spectac. 
c. 4) und Origenes (Homil. 12 in Numeros c. 4: Quid renuntiaverit dia- 
bolo : non se usurum pompis eius neque operibus eius neque ullis omnino 
servitiis eius ac voluptatibus pariturum) nachweisen. Die spätere stereo- 
type Form dürfte zuerst von Cäsarius von Arelate (August, opp. Tom. V 
Appendix Sermo 264 c. 3 : Diabolo, pompis et operibus eius) gebraucht sein. 

*) Hieron. in Arnos (6, 13) lib. III Ml. 25, 1119: Unde et in myste- 
rüs primum renuntiamus ei qui in occidente est nobisque moritur cum 
peccatis, et sie versi ad orientem pactum inimus cum sole iustitiae et ei 
servituros nos esse promittimus. 

4* 



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52 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

gang gewesen, eine notwendige Ergänzung zu der vorange- 
gangenen Symbolübergabe. Hingegen hatte sie unter dem auf 
Kinder berechneten Skrutinienritus alle selbständige Bedeutung 
verloren. Mochte es sich damals um die Ubergabe oder um 
die Rückgabe des Symbols handeln, beidemale wurde in einer nur 
ceremoniell verschiedenen Weise das Glaubensbekenntnis über 
die Kinderschar hin gesprochen. Immerhin konnte dies in Rom 
noch gehen. Denn nicht nur waren dort die beiden ziemlich 
identischen Akte durch Wochen von einander getrennt, sondern 
es lagen auch scheidend die Olsalbung uüd die Abrenuntiation 
zwischen der die Taufvorbereituug schliessenden Symbolrück- 
gabe und der ihr sehr verwandten und fast unmittelbar dar- 
auffolgenden Glaubensbefragung, welche dem Taufakt unmittel- 
bar voraufging. Wie aber, wenn, was bei den Skrutinien im 
Frankenreiche der Fall war, Olsalbung und Abrenuntiation der 
Symbolrückgabe vorangingen? Dann endete die Taufvorberei- 
tung mit einem Aufsagen des Symbols, und der fast unmittel- 
bar sich daran anschliessende Taufakt begann mit dem in 
Frageform gefassten Symbol. Zwei nahezu identische Hand- 
lungen stiessen also zeitlich dicht aufeinander. Bei Odilbert 
finden wir dieses Dilemma durch eine Verschmelzung beider 
gehoben. Der Taufvorbereitung bezw. dem Kompetentenstand 
ist in Erinnerung an die alte Symbolübergabe die priesterliche 
Recitation des Symbols verblieben (c. IX). Aber die Symbol- 
rückgabe geht in den analogen Tauffragen auf, welche natür- 
lich den Inhalt des apostolischen Symbols ganz oder, wie ge- 
wöhnlich, nur auszugsweise repräsentieren. 1 ) Somit besteht 

*) Die Glaubensfragen enthielten entweder nur das Bekenntnis zur 
Trinität oder umi'assten den Wortlaut des apostolischen Symbols in mehr 
oder weniger abgekürzter Form. Vgl. Tertull. de cor. milit. c. 3 : Dehinc 
ter mergitamur amplius aliquid re9pondentes quam dominus in evnngelio de- 
terminavit. De spectac. c. 4: Cum aquam ingressi christianam fidem in 
legis suae verba profitemur. Ambros. de myster. 5, 28: Recordare quid 
responderis, quod credas in patrem, credas in filium, credas in spiritum 
sanctum. De sacrament. II 7, 20: Credis in deum patrem omnipotentem ? 
Credis in dominum nostrum Iesum Christum et in crucem eius? Credis et 
in spiritum sanctum? Hieron. dialogus contra Luciferianos c. 12 ML 23, 
175: Praeterea cum solemne sit in lavacro post trinitatis confessionem 
interrogare: Credis sanctam ecclesiam? Credis remissionem peccatorum? 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 53 

also nach Odilbert der Taufakt aus Ölsalbung, Abrenuntiation, 
Taufbefragung, Taufe. 

Auf die Tauf wasserweihe, welche nach der Abrenuntiation 
stattgefunden haben dürfte, gehe ich hier absichtlich nicht näher 
ein, da weder Karl noch Odilbert ihrer Erwähnung thun. 

Ehe Odilbert die Taufe selbst nennt, kommt er in c. XV 
noch auf die Paten zu sprechen , deren Pflicht darin besteht, 
für die Kinder die Abrenuntiation zu leisten und auf die Tauf- 
fragen zu antworten. 1 ) 

In c. XVI rechtfertigt Odilbert das dreimalige Untertauchen 
bei der Taufe durch den Hinweis auf die Trinität und die 
dreitägige Grabesruhe Christi. Es ist bekannt, dass die Taufe 
in Spanien nur in einmaligem Untertauchen bestand. Damit 
sollte im Gegensatz zu den arianischen Bewohnern des Landes 
der einheitliche göttliche Charakter der Trinität zum symbo- 
lischen Ausdruck kommen. 2 ) 

Maxim. Taurin. tract. II de baptismo Ml. 57, 775 : Credis in deum patrem 
omnipotentem? Credis et in Iesum Christum filium eius qui conceptus est 
de spiritu sancto et natus est ex Maria virgine? Credis et in spiritum 
sanctum. — Bei Pirminius (Scarapsus c. 12) sind die drei Glaubensfragen 
identisch mit den drei Artikeln des Symbols. Zeitweise dienen die 
Glaubensfragen auch als Gegengewicht gegen herrschende Irrlehren, vgl. 
Messbuch von Auxerre XXV (Muratori, Liturg. romana vet. II 741): Cre- 
dis patrem et nlium et spiritum sanctum unius esse virtutis? Credis 
patrem et filium et spiritum sanctum eiusdem esse potestatis ? Credis pa- 
trem et filium et spiritum sanctum trinae veritatis, una manente substantia, 
deum esse perfectum? 

*) Leidrad von Lyon (Liber de sacram. bapt. c. 10) behandelt ein- 
gehend das Pateninstitut, und Amalar von Trier erwähnt das Patenexamen 
(Epist. de caorim. bapt. Ml. 99, 898). 

l ) Ildefons, de cognit. bapt. c. 117: Quod autem semel mergitur, in 
unius deitatis nomine tingitur. Si autem tertio mergatur, trium dierum 
sepulturae domini numerus demonstratur. Unde in una fide nihil contra- 
rium habet consuetudo diversa. Sed quia haeretici in hoc numero mer- 
sionis unitatem solent scindere deitatis a deo, potius est quod ecclesia dei 
unius usum observat tantummodo tinctionis. Diese Ausnahmestellung ward 
der spanischen Kirche von Gregor dem Grossen direkt gewährleistet durch 
einen Brief an Bischof Leander von Sevilla (Epist. lib. I 43), der auf der 
4. Synode von Toledo 633 verlesen wurde und alsdann in die Akten der- 
selben (can. 6) überging. Mansi, Conc. coli. X 618 sqq. Hefele, Concilien- 
gesch. III 80. Über diese verschiedenen Arten des Taufritus spricht sich 
Leidrad von Lyon (1. c. c. 6) ausführlich aus. 



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54 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

Hat, woran nicht zu zweifeln sein dürfte, Odilbert die 
einzelnen Akte planmässig, und nicht etwa willkürlich, an ein- 
ander gereiht, so beginnen die postbaptismalen Akte nicht, wie 
dies ursprünglich der Fall gewesen ist, mit der Anlegung der 
weissen Tauf kleider. Denn sofern es sich um Erwachsene handelte, 
verlangte schon der Anstand, den Moment der Entkleidung 
möglichst zu kürzen. Das allererste nach der Untertauchung 
musste die Bekleidung des Körpers sein, und da diese in Ge- 
stalt der Anlegung von weissen Taufkleidern sich vollzog, so 
bildete die letztere naturgemäss den ersten unter den an die 
Taufe sich anschliessenden Akten. 

Wenn nun bei Odilbert gleichwohl die Ohrismation 
(c. XVII) und die Anlegung der Stirnbinde (c. XVIII) vor- 
angehen, so erklärt sich dies wiederum daraus, dass das ganze 
Ceremoniell auf die Kindertaufe zugeschnitten ist. Bei kleinen 
Kindern aber kommt weder die Decenz in Frage, noch handelt 
es sich um ein eigentliches Anziehen von Kleidern. Die litur- 
gische Umhüllung derselben mit dem weissen Kleide konnte 
ruhig einen Augenblick anstehen, bis die beiden anderen zeit- 
lieh rasch zu erledigenden Handlungen erfolgt waren. Daher 
liegt kein sachlicher Grund vor, die Reihenfolge bei Odilbert 
zu ändern. 1 ) 

Dass der Taufe unmittelbar eine Salbung und etwas später 
eine Handauflegung zu folgen habe, war uralte Sitte des 
Abendlandes. 

Schon Tertullian nennt beide ganz ausdrücklich und sucht 
dieselben mit Hilfe biblischer Analoga zu begründen. 2 ) Beide 
gehören nach seiner Ansicht wesentlich und notwendig zur 
Taufe; ohne sie wäre diese letztere nicht vollständig. Und 
zwar macht die Ol salbung die Getauften zu Priestern, die den 

*) Dass diese Reihenfolge nicht ohne Grund von Odilbert gewählt ist, 
beweist dieselbe Anordnung bei Leidrad von Lyon, vgl. 1. c. c. 7: De sacra 
unetione. c. 8.: De vestimentis albis. Ebenso bereits im Sakramentar von 
Autun (Missale Gothicuni bei Muratori, Liturg. rom. vet. II 592) : Dum 
Chrisma eum tangis. Dum pedes eius lavas. Dum vestimentum ei imponis. 

*) Tertull. de bapt. c. 7 : Exinde egressi de lavacro perangimur bene- 
dicta unetione de pristina diseiplina, qua ungi oleo de cornu in sacer- 
dotium solebant. c. 8: Dehinc manus imponitur, per benedictionem advo- 
cans et invitans spiritum sauetum. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 55 

Namen Christen im eigentlichsten Sinne führen. Sie ist eine 
Weihe, die, im alten Bunde auf Hohepriester und Könige 
beschränkt, seit Christus allen Getauften zuteil wird ; dagegen 
teilt sie den heiligen Geist nicht mit. Auch Cyprian bezeich- 
net die Ketzertaufe ausschliesslich deshalb als ungiltig, weil 
den Ketzern die Möglichkeit einer korrekten Ölsalbung fehlt: 1 ) 
eine Anschauung, durch welche die der Taufe folgende Chris- 
mation im Abendlande noch ganz besonders empfohlen wurde. 

Jedenfalls behaupten sich fortan Chrismation und Hand- 
auflegung als integrierende Bestandteile des den eigentlichen 
Taufakt abschliessenden Ceremoniells und verursachen der 
wissenschaftlichen Untersuchung eine Schwierigkeit über die 
andere. Hauptsächlich begegnen drei Probleme. Machen Sal- 
bung und Handauflegung zusammen das aus, was man später 
die Konfirmation bezw. die Firmung nennt? 2 ) Oder hat die 
letztere als durchaus selbständige und dem Bischof vorbehaltene 
Handlung von vornherein nur in der Handauflegung bestanden, 
während die Salbung eine nur die Taufe abschliessende und 
daher auch vom Priester zu spendende Ceremonie ist? Oder 
hat man eine doppelte Salbung zu konstatieren, eine Scheitel- 
salbung durch den Priester als Abschluss der Taufe und eine 
Stirnsalbung durch den Bischof als intregierenden Bestandteil 
der Konfirmation? Es ist ausser Zweifel, dass in Bezug auf 
diese Gebräuche sowohl zwischen Morgenland und Abendland 
grosse Differenzen obwalteten, als auch dass das Abendland in 
seinen verschiedenen Provinzen und zu verschiedenen Zeiten 
zu denselben eine andere Stellung eingenommen hat. Daraus 
erklären sich die abweichenden Ansichten der heutigen Theo- 
logen über Entstehung, Wesen, Bedeutung und Handhabung 
der Konfirmation. 

*) Epist. 70 ad Ianuarium c. 2 : Ungi quoque necesse est eum, qui 
baptizatus sit, ut accepto chrismate i. e. unctione esse unctus dei et 
habere in se gratiani Christi possit. — Sanctificare autem non potuit olei 
creaturam qui nec altare habuit nec ecclesiam. Unde nec unctio spiritalis 
apud haereticos potest esse, quando constet oleum sanctificari et eucha- 
ristiam fieri apud illos omnino non posse. 

2 ) Theodor von Kanterbury, Poenitentiale c. 4 Ml. 99, 929: Con- 
firmationem episcopi non disputamus ; tarnen in Nicaeno synodo fuit chris- 
ma constitutum. 



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56 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 



Dass aber an Stelle der von Tertullian und Cyprian ge- 
nannten Salbung mit Ol im Laufe der Jabrbunderte eine solche 
mit Chrisma getreten ist, erklärt sieb leiebt aus der liturgischen 
Notwendigkeit, die der Taufe folgende Salbung von der der 
Taufe vorangebenden aueb in Bezug auf die Substanz zu unter- 
scheiden. 

Im engsten Zusammenbang mit der Salbung des Scheitels 
durch den Priester stand der Gebrauch des Linteolum (c. 
XVIII). Diese Binde oder Mütze sollte das gesalbte Haupt 
vor Verunreinigung oder Berührung mit der profanen Um- 
gebung schützen. Gleichwohl ist die Sitte nicht sehr alt und 
blieb, wie es scheint, auf das Abendland beschränkt. Johannes 
Diakonus, auf den sich Odilbert beruft, dürfte ihr erster Ge- 
währsmann sein. Bei Gregor dem Grossen heisst die Binde 
„birrus albus", 1 ) bei Hrabanus Maurus nur „mysticum vela- 
men", 2 ) im späteren Mittelalter „chrismale" oder „cappa". 
Später nähte man sie gern an das Taufhetnd an, und die 
Mütter trugen bereits vor der Entbindung dafür Sorge, sich 
eine solche „interula" samt „cappa" für den erwarteten Täuf- 
ling zu beschaffen. s ) 

Hingegen gehört die Anlegung der weissen Kleider zu den 
ältesten und weit verbreiteten Taufceremonien. Denn zahl- 
reiche Beispiele der neutestamentlichen Bildersprache wiesen 
auf dieselben hin. Es wäre fast wunderbar gewesen, wenn die 
nach augenfälligen Darstellungsmitteln Verlangen tragende 



l ) Epist. lib. IX 6 Ml. 77, 944. 
*) De instit cler. I 29. 

•) Vgl. noch im Anfang des 16. Jahrhunderts die interessante Schilde- 
rung des bayrischen Karthäusers Johannes von Landsberg: flodie raultis 
Germaniae ac Italiae episcopatibus infantes, dum e sacro fönte levantur, 
parva prixnum interula induuntur, cui annexum capitium est monastici cu- 
culli schemate, in ipsoque crucis Signum assutum est, cuiusmodi interulas 
beatissima illa Elizabeth regina pauperculis ingenti cum devotione con- 
ficere atque donare solita fuit. — Saepe sane et audivi et perspexi foe- 
minas dum partui propinquae sunt eiusmodi quales ipse commemoraati 
conficere interulas, sed quando infantes iis induantur, non vidi. Nunquamne 
infantem ullum e sacro fönte levasti? Ita, semel dumtaxat. Non ergo 
tum id observasti? De monasteriis et monachis dialogus pius c. 3. (Mi- 
norum operum D. Ioann. Iusti Lanspergii libri sex. Uoloniae 1654). 



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I V. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo eto. 57 

Kirche sich einen solchen Ritus hätte entgehen lassen. Der 
Täufling trug seine „alba vestis" in Spanien bis zum dritten Tage 
nach Ostern und legte sie mit einem gottesdienstlichen Ceremoniell 
ab, dessen Gebete uns bei Ildefonsus von Toledo erhalten sind. 1 ) 
Gewöhnlich aber ging der Neophyt bis zur Oktave des Tauftages 
weiss, d. h. bis zum Samstag nach Ostern. Daher man in jener 
Zeit korrekterweise von einein „sabbatum in albis" und einer „do- 
minica post albas" spricht. 2 ) Dagegen feiert das gelasianisch Sa- 
kramentar die Passahoktave am Sonntag nach Ostern als Oktave 
der Neugetauften. 3 ) Und ebenso schliesst das Homiliarium Karls 
des Grossen die Lektion des „pascha annotina" d. h. der Neo- 
phytenfeier erst der Osteroktave an, statt sie dieser voran zu 
stellen und sie dem sabbatum paschae folgen zu lassen. Bei 
dem grossen Einfluss aber, welchen das Homiliar auf das Zu- 
standekommen des römischen Breviers ausgeübt hat, liegt die 
Vermutung nahe, dass auch auf seine Autorität hin das Bre- 
vier den Ausdruck „dominica in albis" anwendet, was dann 
weiter zu der unhistorischen Bezeichnung des „weissen Sonntags" 
geführt hat, für die es jedenfalls in der Alten Kirche wie im 
frühen Mittelalter keine Begründung gibt. 4 ) 

Mit dem hochzeitlichen Kleide angethan, tritt der Neu- 
getaufte sofort an den Tisch des himmlischen Bräutigams. 
Denn seit der ältesten Zeit folgte der Taufe sofort die erste 
Kommunion (c. XX) und zwar nicht nur bei Erwachsenen, 

*) Ildefons, de cognit. bapt. c. 142. Die bei dieser Gelegenheit ge- 
haltene Rede ebendas. und im Homiliar von Toledo (Anecd. Mareds. I 413). 

9 ) Vgl. unt. and. Ambrosianae missae ritus et ordo bei Pamel, Litur- 
gica Latinorum 1571 I 363: Sabbato in albis; I 364: Dom. in albis depo- 
sitis. — Sacrament. Gregorian. (Muratori, Liturg. rom. vet. II 75): Die 
dominico post albas. — Amalar. lib. de ord. antiphonarii e. 51 : De sabbato : 
Sic loquitur, quasi hi loquantur ad ecclesiam qui in Christo baptizati sunt, 
et sunt agni novelli et hodie revertuntur ad fontes ut exuant se albis. 

s ) Sacram. Gelauian. 1 53. 

4 ) Homiliar. II 14: Die sabbato paschae. II 15: Dominica octava 
paschae. II 16: In pascha annotina. Über die Beziehungen zwischen 
dem Homiliar Karls und dem Brevier vgl. Batiffol, Hist. du breviaire ro- 
main. p. 97. P. Suitbert Bäumer, Gesch. d. Breviers S. 286 f. Rose, Die 
latein. Meermann-Handschriften des Sir Thom. Phülipps in d. kgl. Biblioth. 
zu Berlin 1892 S. 83. Revue Benedictine 1891 p. 270-280. 1893 p. 16—27. 
.1895 p. 396. 



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58 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc . 

sondern auch bei Kindern. Erst wenn er auch von diesem 
wichtigsten Rechte Gebrauch gemacht hatte, galt der Täufling 
als vollkommenes Gemeindeglied. Am stärksten spricht dies 
Augustin aus; für ihn ist nur dasjenige Kind wiedergeboren 
und des ewigen Lebens sicher, welches der Taufe und der 
Kommunion teilhaftig geworden ist. Und nicht viel anders 
lauten die Urteile bei Papst Innocenz I, Gelasius I und anderen. 1 ) 
So hat sich die Sitte der Kinderkommunion bis tief in das 
Mittelalter hinein behauptet. 2 ) 

') August, de peccat. merit. I 20, 27: An vero quisquam etiam hoc 
dicere audebit, quod ad parvulos haec sententia non pertineat possintque 
sine participatione corporis huius et sanguinis in se habere vitam? Epist. 
186 ad Paulinum Nolan. c. 8, 30 Ml. 33, 827: Nullus negat aut dubitat 
parvulos non accepta gratia regenerationis in Christo, sine cibo carnis 
eius et sanguinis potu. non habere in se vitam. Contra duas epist. Pe- 
lag. I 22 : Nec illud cogitatis eos vitam habere non posse qui fuerint 
expertes corporis et sanguinis Christi. Sermo 174 c. 6, 7 Ml. 38. 944: 
Jnfantes sunt sed membra eius fiunt. Infantes sunt sed sacramenta eius 
accipiunt. Infantes sunt sed mensae eius participes fiunt, ut habeant in 
se vitam. — Innocent. I pap. epist. 93 ad patres concilii Milevitani c. 5 
Ml. 33, 785: Parvulos aeternae vitae praemiis etiam sine baptismatis gratia 
posse donari, perfatuum est. Nisi enim manducaverint carnem filii homi- 
nis et biberint sanguinem eius, non habebunt vitam in semetipsis. — Fer- 
randi epist. ad Fulgent. c. 4 Ml. 65. 380: Maxime quia licet multos in 
hac re moveri videam, sacpe tarnen plus ipse commoveor, haesitans qualis 
debeat haberi sententia de his qui etiamsi legitime sana mente baptizantur, 
praevcniente velocius morte, carnem domini manducare et sanguinem eius 
bibere non sinuntur. — Utrum noceat, quantum noceat. an omnino nihil 
noceat. si quis baptizatus in nomine sanctae trinitatis sacro cibo potuque 
fraudetur. — Gelasii epist. 7 ad omnes episcop. per Picenum Ml. 59, 37 : 
Nec ausus est aliquis dicere parvulum sine hoc sacramento salutari ad 
aeternam vitam posse perduci. 

a ) Theodulf von Orleans. Lib. de ordine baptismi c. 18: Propter hanc 
vitam adipiscendam et baptizamur et eius carne pascimur et eius sanguine 
potamur. quia nequaquam possumus in eius corpus transire, nisi his sacra- 
mentis imbuamur. — Morem ergo accipiendae eucharistiae a domino tra- 
ditum ecclesia tenet, ut cum ex aqua et spiritu sancto quis renascitur, 
corpore domioi pascatur et sanguine eius potetur (vgl. Magnus von Sens, 
Libellus de mysterio bapt. Ml. 102, 984). — Leidrad von Lyon, Lib. de 
sacramento baptismi c. 9 : Oportet renovatos per baptismum mensae domi- 
nicae applicari. Qui enim dixit: Nisi quis renatus fuerit ex aqua et Bpi- 
ritu sancto, non intrabit in regnum caelorum, dixit: Nisi manducaveritis 
carnem meam et biberitis sanguinem meum, non habebitis vitam in vobis. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 59 

Erst im 11. Jahrhundert kommt es zu Erörterungen über 
die Zweckmässigkeit derselben, und Hugo von St. Viktor hält 
die Kinderkommunion für überflüssig. 1 ) Dementsprechend wird 
sie vom Tridentinischen Konzil zwar nicht für notwendig, aber 
für zulässig erklärt. 2 ) 

Strittig konnte aber die Frage sein, ob auch das un kon- 
firmierte Kind zur Kommunion zuzulassen sei, oder ob ihm die 
Teilnahme an derselben erst nach empfangener Handauflegung 
zustand. In der That herrschen hier Meinungsdifferenzen. Das 
fränkische Gelasianum schliesst die Handauflegung direkt an 
Taufe und Scheitelsalbung an, hält also dafür, dass nur konfir- 
mierte Täuflinge an der Kommunion teilnehmen. Und ebenso 
urteilen Leidrad von Lyon, Magnus von Sens und Theodulf 
von Orleans. 3 ) Diesen strengen Standpunkt teilt aber nicht 

Omnis ista sententia tenet, ut sine corpore et sanguine filii hominis vitam 
habere non possint. — Hraban. Maur. de institut. cleric. I 29: Deinde cor- 
pore et sanguine dominico omne praecedens sacramentum in eo confirma- 
tur, quia haec ideo accipere debet, ut deum habere mereatur in se habi- 
tatorem et illius sit capitis membrum, qui passus est et resurrexit pro 
nobis. 

*) De caerim. sacram. offic. et observ. eccl. I 20 in Hugon. de St. 
Victore opp. Appendix Ml. 177. 392: Unde si eius valetudinis est, sacra- 
menta unitatis id est corpus et sanguinem Christi accipere debet. Pueria 
recens natis idem sacramentum in specie sanguinis est ministrandum di- 
gito sacerdotis quia tales naturaliter sugere possunt. — Unde ignorantia 
presbyterorum adhuc formam retinens sed non rem dat eis loco sanguinis 
vinum, quod penitus supervacuum arbiträrer si sine scandalo simplicium 
dimitti potest. Si autem in reservando sanguinem Christi vel in mini- 
strando pueri immineat periculum, potius supersedendum videtur. 

8 ) Sess. XXI c. 4: Denique eadem sancta synodus docet parvulos 
usu rationis carentes nulla obligari necessitate ad sacramentum euchari- 
etiae communionem. — Xeque ideo tarnen damnanda est antiquitas, si eum 
morem in quibusdam locis aliquando servavit. 

3 ) Sacram. Uelasian. I 44. — Leidrad von Lyon, Lib. de sacra- 
mento baptismi c. 7: Et propterea fit manus impositio etc. c. 9: De cor- 
pore dominico et sanguine. — Magnus von Sens, Libell. de myst. bapt. 
Ml. 102, 983 sq. : Peractis autem omnibus baptismatis sacramentis novissime 
per manus impositionem a summo sacerdote etc. Postremo corpore et 
sanguine dominico communicantur. — Theodulf von Orleans. Lib. de ord. 
bapt. c. 17: Cur ab episcopo confirmatus per manus impositionem acci- 
piat septiformis gratiae spiritum. c. 18: Cur corpore et sanguine domi- 
nico consummetur. — Jesse von Amiens, Epist. de baptismo Ml. 105, 



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60 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

der Redaktor des sog. Gregorianums d. h. Alkuin, der in seiner 
jenem Messbuch eingegliederten Sammlung gottesdienstlicher 
Formeln die Rubrik hat: Si vero episcopus adest, statim cou- 
firmari eum oportet chrismate et postea communicare. Et si 
episcopus deest, communicetur a presbytero. 1 ) Odilbert end- 
lich weicht auch hier am entschiedensten vom Gelasianum 
ab, indem er die Kinderkommunion der Konfirmation ohne 
weiteres voraufgehen lässt, jene also ohne diese stillschweigend 
für zulässig erklärt. Und Hrabanus Maurus teilt diesen seinen 
Standpunkt. 2 ) Indessen scheint späterhin die kirchliche Sitte 
den Alkuioschen Mittelweg eingeschlagen zu haben, wenigstens 
geht dies aus einer ganzen Reihe von hier nicht naher zu 
untersuchenden Sakramentaren hervor. 

In der Handauflegung (c. XXI) sieht Tertullian den 
zweiten selbständigen Ritus unter denjenigen, welche der Taufe 
folgen und sie vervollständigen. 3 ) Und zu Cyprians Zeit gibt 
man ihr eine feste biblische Begründung in der Stelle Apostelg. 
8, 14 — 17 (Apostelg. 19, 6. Hebr. 6, 2). 4 ) Denn damals spielte 
sie eine grosse Rolle im Streite über die Giltigkeit der Ketzer- 
taufe, indem die kleinasiatische (Firmilian von Cäsarea) und 
die nordafrikanische (Cyprian) Kirche den Häretikern ebensowohl 
die Heilskräftigkeit der Taufe wie die der Handauflegung ab- 



790sq. : De confirmatione episcopi. De confirmatione corporis et sanguinis 
Christi. 

J ) Muratori, Liturg. rom. vet. II 158. 

*) Hraban. Maur. de instit. cleric. I 29. 30. — Maxentius von Aqui- 
leja (Epist. de significatu rituum et caerimoniarum baptismi Ml. 106, 53) 
und Amalar von Trier (Epist. de caerimoniis baptismi Ml. 99, 899) er- 
wähnen die impositio manus überhaupt nicht, sondern schliessen die con- 
firmatio corporis et sanguinis sofort an die vorhergehenden Akte an. 

*) De baptismo c. 7: Exinde egressi de lavacro perungimur bene- 
dicta unctiono de pristina disciplina, qua ungi oleo de cornu in sacerdotium 
solebant. c. 8: Dehinc manus imponitur, per benedictionem advocans et 
invitans spiritum sanctum. 

*) Epist. 73 ad Iabaianum c. 9: Et idcirco qui legitimum et eccle- 
siasticum baptisma consecuti fuorant, baptizari eos ultra non oportebat, 
sed tantummodo quod deerat id a Petro et lohanne factum est, ut ora- 
tione pro eis habita et manu imposita invocaretur et infunderetur super 
eos spiritus sanctus. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 6 1 



sprachen, während die römische Kirche (Stephanus) unter ge- 
wissen Bedingungen eine Ketzertaufe anzuerkennen geneigt war, 
hingegen die Fähigkeit, eine korrekte Handauflegung zu spen- 
den, der orthodoxen Barche vorbehielt und dementsprechend mit 
den zu ihr übertretenden Häretikern verfuhr. 1 ) Das lässt auf 
ein besonderes Gewicht schliessen, welches man der Handauf- 
legung beilegte. Stephanus nämlich spricht zwar nur von einer 
Handauflegung in poenitentiam , aber es kann keinem Zweifel 
unterliegen, dass er ebenso wie seine Gegner und die gesamte 
Kirche des Abendlandes unter ihr diejenige hochbedeutsame 
Handlung verstand, an welche die Mitteilung des heiligen 
Geistes geknüpft war. 2 ) Inwiefern diese Auffassung richtig war, 
inwiefern durch eine solche energische Betonung der Handauf- 
legung das Wasserbad der Taufe, in welchem doch in 
erster Linie der heilige Geist dem Täufling mitgeteilt wird, 
eine Beeinträchtigung erfährt : das zu untersuchen gehört nicht 
hierher. 8 ) Genug, jenes Zeitalter kannte für das eine Sakra- 
ment der Taufe zwei nicht zu trennende Vollzugsriten, und 
Cyprian spricht es in der ersten der von Odilbert citierten 

*) Des Stephanus Ansicht in Cyprian, epist. 74 ad Pompeium c. 1: 
Si qui ergo a quacumque haeresi venient ad vos, nihil innovetur nisi quod 
traditum est, ut manus illis imponatur in poenitentiam, cum ipsi haeretici 
proprie alterutrum ad se venientes non baptizent, sed communicent tan- 
tum. Zum ganzen Vorgang vgl. Höfling, D. Sakrament d. Taufe I 62 — 77. 
496 — 503. Ganz entsprechend entschied die Synode von Compiegne 757 
can. 12 (ßoretius 31. G. Capit. reg. Franc. I 38): Si quis baptizatus est a 
presbytero non baptizato et saneta trinitas in ipso baptismo invocata ra- 
erit, baptizatus est, sicut Sergius papa dixit. Impositione tarnen manuum 
episcopi indiget. 

") Vgl. unt. and. Hieron. dial. contra Lucif. c. 6: Sed ego reeipio 
laicum poenitentem per manus impositionem et invocationem spiritus 
saneti, sciens ab haereticis spiritum sanetum non posse conferri. 

*) Dieser Widerspruch wurde schon frühe empfunden und auszu- 
gleichen versucht. Vgl. die pseudoeusebianische Homilie In die pente- 
costes (Bibl. Max. Patr. VI 649): Forte cogitat sibi aliquis: Quid mihi 
prodest post mysterium baptismatis ministerium confirmantis ? — Ergo 
spiritus sanetus in fönte tribuit plenitudinem ad innocentiam, in confirma- 
tione augmentum praestat ad gratiam. — In baptismo regeneramur ad 
vitam, post baptismum confirmamur ad pugnam, in baptismo abluimur, 
post baptismum roboramur. Ac sie continuo transituris aufnehmt regene- 
rationia beneficia, victuris autem necessaria sunt confirmationis auxilia. 



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62 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

Stellen unzweideutig aus, dass ohne Handauflegung der Ge- 
taufte nicht wirklich und vollständig getauft sei. 

Des weiteren geht noch aus jenem Citate Cyprians hervor, 
dass die Handauflegung zu spenden als ein Vorrecht der kirch- 
lichen Oberen (praepositis ecclesiae) gilt, und dass ihr Vollzug 
mit der Signation (signaculo dominico) verbunden gewesen ist. 

In dieser ihrer ausgereiften Gestalt begegnet die Hand- 
auflegung im fräDkischen J ) Gelasianum, wo es heisst: Deinde 
ab episcopo datur eis spiritus septiformis. Ad consignandum 
imponit eis manum in his verbis: Deus omnipotens, pater 
doinini nostri Iesu Christi qui regenerasti famulos tuos ex aqua 
et spiritu sancto quique dedisti eis remissionem omnium pecca- 
torum , tu domine, immitte in eos spiritum sanctum tuum pa- 
raclitum et da eis spiritum sapientiae et intellectus, spiritum 
consilii et fortitudinis, spiritum scientiae et pietatis. Adiraple 
eos spiritu timoris dei in nomine domini nostri Iesu Christi, 
cum quo vivis et regnas deus Semper cum spiritu sancto , per 
omnia saecula saeculorum. Resp. Amen. Postea signat eos in 
fronte de chrismate dicens: Signum Christi in vitam aeternam. 
Resp. Amen. Pax tecum. Resp. Et cum spiritu tuo. 

Der letztere Zusatz ist auffallend. Er zeigt, dass die 
Handauflegung, der doch der ganze Akt Namen und Bedeu- 
tung verdankte, aufgehört hat, ausschliessliche Vollzugsform zu 
sein. Vielmehr ist neben sie als zweites die Konfirmation kon- 
stituierendes Moment die Signierung der Stirn mit dem Chrisma 
getreten. Bekanntlich hat die liturgische Entwicklung dann 
weiter den Verlauf genommen, dass die Handauflegung bei der 
Konfirmation völlig verschwindet und sich nur jenes „extensis 
versus confirmandum manibus" gesprochene Gebet sowie die Sig- 
nierung der Stirn mit dem Chrisma behauptet. 2 ) 

Dieser eigenartigen Entwicklung gegenüber tritt der kon- 
servative Charakter der mailändischen Taufliturgie um so augen- 
fälliger hervor. Denn unter völliger Ignorierung etwaiger 

] ) D. h. der Abschnitt I 44 gehört zu den erst auf fränkischem 
Boden im 7. Jahrhundert in das echte Gelasianum eingeschobenen Be- 
standteilen. 

*) Pontiticale Romanum, Appendix: Confirmatio uni tantum eon- 
ferenda. Edit. Ratisb. p. 62. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 63 

späterer Gewährsmänner operiert Odilbert in dieser Frage fast 
ausschliesslich mit den Anschauungen des 3. Jahrhunderts. Er 
kennt die vom Bischof zu spendende Handauflegung nur als die 
Geistesmitteilung, in welcher die Taufe ihren Abschluss findet. 
Ihre Vollzugsform besteht im Auflegen der Hand unter Gebet 
mit angeschlossener Signation. 1 ) Von einer zweiten ausschliess- 
lich dem Bischof vorbehaltenen Salbung ist hingegen nirgends 
die Rede. 

Dieser abgerundeten Darstellung des Taufritus fügt Odil- 
bert noch ein überzähliges Kapitel (c. XXII) bei, in welchem 
er unter Berufung auf Johannes Diakonus von den Täuflingen 
die Barfüssigkeit verlangt. Ich gestehe, dass mir die Absicht, 
welche den Erzbi9chof hierbei geleitet hat, dunkel ist. Im Zu- 
sammenhang, in welchem sich das Citat bei Johannes findet, 
hat es Sinn. Er verlangt, dass der Täufling, bereits ehe 
er sich für den Taufakt entkleidet, d. h. bei den die Taufe 
direkt einleitenden Ceremonien, barfüssig sei. Er erklärt dies 
für eine alte Gewohnheit, die aber nicht offiziell irgendwo 
niedergeschrieben sei. 2 ) Und in der That sind Analoga aus 
der Alten Kirche bekannt, so wenn in Afrika die Kompetenten 
in der Nacht vor der Symbolübergabe einzeln vortreten und 
sich mit gebeugtem Nacken und barfuss auf ein Ziegenfell 

*) Dasselbe gilt auch von dem offiziellen Taufschema, vgl. Alcuin. 
ep. 93 bezw. 261 : Novissime per impositionem manus a summo sacerdote 
septiformis gratiae spiritum accipit. Mit fast denselben Worten drückt 
sich Magnus von Sens (Libell. de myst. bapt.) aus. Des weiteren stimmen 
bei Theodulf von Orleans (Lib. de ord. bapt. c. 17) und Hrabanus Maurus 
(De instit. cleric. I 30). Hingegen hat Leidrad von Lyon (Lib. de sacram. 
bapt. c. 7) die doppelte Angabe: Non tarnen frontem signare, quod solis 
debetur episcopis cum tradunt spiritum paraclitum, haec causa est: nam 
licet sint et presbyteri sacerdotes, pontificatus tarnen apicem non habent, 
und : Et propterea fit manus impositio, ut per orationem et benedictionem 
advocatus invitetur spiritus sanetus. Vor allem aber erklärt Jesse von 
Amiens (Epist. de bapt. Ml. 105, 790), der auch im übrigen dem Ritus des 
fränkischen Gelasianum folgt : Post haec confirmet eum episcopus in fronte 
de chrismate. Ideoque manus impositio fit, ut per benedictionem ad- 
vocatus invitetur, spiritus sanetus super eos descendat. 

*) L. c. c. 6: Haec igitur ecclesiastica sollicitudo per successiones 
temporum cauta dispositione constituit, quamvis horum veatigia vetus pa- 
gina non ostendat. 



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64 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

stellen mussten, um sich in dieser Situation der Prüfung zu 
unterziehen d. h. wohl die Absageformel an den Teufel zu 
sprechen. 1 ) Ahnliches übte man in Spanien. Hier unterzogen 
sich die Kinder beim Eintritt in die Taufvorbereitung einer Cere- 
monie, welche die von Johannes geforderte Busse versinnbildlichte, 
indem sie, jedenfalls auch barfuss, über ausgebreitete rauhe 
Ziegenfelle schritten. 2 ) Warum sollte sich nicht auch bei anderen 
Kompetentenakten, besonders bei solchen, welche dicht vor oder 
im Baptisterium stattfanden, die Barfüssigkeit als Zeichen be- 
sonderer Ehrfurcht eingebürgert haben? Aber wenn Odilbert 
hierauf hätte anspielen wollen, dann hätte er fraglos dieses 
Kapitel dahingestellt, wohin es gehörte, vor die Taufe, unter 
die einleitenden Akte. Das legt die Vermutung nahe, dass Odil- 
bert hier einen anderen Ritus meint als die Barfüssigkeit, näm- 
lich die in Mailand von ältesten Zeiten her beliebte Fuss- 
waschung. Er mag das Citat bei Johannes Diakonus fälsch- 
lich auf diese bezogen haben, zur „lotio pedum" gehörte ja die 
„nuditas pedum" als ihre Vorbedingung. Die Fusswaschung wird 
bereits zu Anfang des 4. Jahrhunderts für Spanien verboten. 8 ) 
In Afrika wollte man sie zu Augustins Zeit gern bestehen 
lassen als das was sie ursprünglich gewesen war, als eine Er- 
mahnung zur Demut, die auf einen Neophyten in dieser Form 
einen ganz besonderen Eindruck machen musste. Aber man 
verwahrt sich energisch dagegen, dass sie irgendwie zum Sakra- 
ment gerechnet wird. Um ja eine derartige irrtümliche Meinung 
nicht aufkommen zu lassen, trennt man sie zeitlich möglichst 
vom Taufakt, indem man sie erst drei oder gar acht Tage 
nachher vornimmt. 4 ) Auch Maximus von Turin berichtet, dass 

*) De symbolo ad catechumenos sermo II c. 1, 1, sermo IV c. 1, 1 
in August, opp. Tom. VI Appendix MI. 40, 637. 661. 

*) Ildefons, de cognit. bapt. c. 14. 21. Vgl. oben S. 43 Anm. 3. 

*) Synode von Elvira ca. 306 can. 48 Hefele, Oonciliengesch. I 177: 
Neque pedes eorum lavandi sunt a sacerdotibus vel clericis. Vgl. Corp. 
iur. can. Causa I quaest. I c. 104. Herbst in der Tübing. Theol. Quartal- 
schrift 1821 S. 40. Ceillier, Hist. gener. des auteurs sacres II 610. 

*) August, epist. 55 ad Ianuarium c. 18, 33. Ml. 33, 220: Aliqui 
autem ut hoc et sacratiore tempore commendarent et a baptismi aacra- 
mento distinguerent, vel diem tertium octavarum quia et ternarius nume- 
rus in multis sacramentis maxime excellit, vel etiam ipsum octavum ut 
hoc facerent elegerunt. 



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IV. Anmerkungen au dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 65 

erst nach Absolvierung aller übrigen Ceremonien die Fuss- 
waschung vorzunehmen sei. 1 ) Mit diesen beiden Notizen stimmt 
es nun sehr gut, wenn Odilbert erst an allerletzter Stelle, sogar 
noch hinter Kommunion und Konfirmation, die Fusswaschung 
erwähnt. Dazu kommt aber noch, dass gerade Mailand von 
alters her einen hohen Wert auf diesen Ritus gelegt hat Denn 
schon Ambrosius bezeichnet unter Berufung auf Joh. 13, 8 
die Fusswaschung als einen integrierenden Bestandteil des Tauf- 
ceremoniells und zugleich als eine werte Eigentümlichkeit der 
mailändischen Kirche , die man sich trotz römischen Wider- 
spruchs nicht nehmen lassen wolle. 8 ) Gerade hier in Mailand 
findet man, was Augustin und Rom gleich scharf bekämpfen, 
die Hinzurechnung der Fusswaschung zu den heilsnotwendigen 
Tauf riten ; man gibt ihr einen Ehrenplatz zwischen Chrismation 
und Handantlegung, und zwar nimmt sie der Erzbischof, der 
sich dem Vorbilde Christi gemäss geschürzt hat, eigenhändig 
vor. Und nur das ist auffällig, dass Odilbert an dieser Stelle statt 



% ) Tractat. Iii de baptiamo Ml. 57, 779: Impletis autem omnibus 
sacramentis etiam mandatum Christi vobia et exemplo et sermone tradi- 
dimus. Lavimus enira singulorum pedes ad imitationem vos nostram, imo 
ipsius domini et salvatoris nostri vos provocantes, ut quemadmodum nos 
vestros pedes lavimus, ita etiam vos pedes fratrum et hospitum lavare 
debeatis. 

*) Ambros. de myster. 6, 31 — 33: Ascendisti de fönte, memento 
evangelicae lectionis. Etenim dominus noster Iesus in evangelio lavit 
pedes diseipulis suis. — De sacrament. lib. III c. I, 4—7: Non ignoramus 
quod ecclesia Romana hanc consnetudinem non habeat, cuius typum in 
omnibus sequimur et formam: hanc tarnen consuetudinem non habet ut 
pedes lavet. — In omnibus cupio sequi ecclesiam Rom an am, sed tarnen et 
nos homine8 senaum habemus, ideo quod alibi rectius servatur et nos rec- 
tius custodimus. Auch in Gallien begegnet die Ceremonie der Fass- 
waschung, vgl. Arnold, Caesarius von Arelate S. 163. — Sakramentar von 
Autun (Muratori, Liturg. rom. vet. II 592): Zwischen Chrismation und 
Anlegung der weissen Kleider: Dum pedes eius lavas, dicis: Ego tibi 
lavo pedes. Sicut dominus noster Iesus Christus fecit diseipulis suis, tu 
facias hospitibus et peregrinis, ut habeas vi tarn aeternam. Dum vestimen- 
tum ei imponis, dicis. Messbuch von Auxerre (L c. II 742): Nach der 
Chrismation: Ad pedes lavando. Dominus et salvator noster Iesus Chris- 
tus apostolis suis pedes lavit: ego tibi pedes lavo, ut et tu facias hospiti- 
bus et peregrinis qui ad te venerint. Hoc si feceris, habebis vitam aeter- 
nam in saecula saeculorum. 

W i e g a n d , Odilbert von Mailand. 5 



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66 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 

sich auf Ambrosius zu berufen, dessen Erörterungen über die 
Fusswaschung ihm bekannt sein mussten, vielmehr das recht 
unpassende Citat aus der Epistola ad Senarium zur Erklärung 
heranzieht. 

Was ist das schliessliche Ergebnis aller dieser einzelnen Beo- 
bachtungen? Zunächst jedenfalls die Thatsache, dass die mai- 
ländische Kirche um die Wende des 8. und 9. Jahrhunderts 
von dem komplizierten römischen Ritus der sieben Skrutinien- 
messen, der sich seit dem 7. Jahrhundert auch in der fränkischen 
Kirche eingebürgert hatte, noch nichts oder nichts mehr weiss. 
Alles spricht vielmehr dafür, dass zu den Zeiten Odilberts 
TaüfvörDereitung und Taufakt in Mailand einen einzigen ge- 
schlossenen Gottesdienst ausmachten, der nur durch die Be- 
nennung seiner einzelnen Teile daran erinnerte, dass früher 
Katechumenat, Kompetentenzeit und Taufe zeitlich auseinander- 
liegende und obendrein vielseitig gegliederte Institutionen ge- 
wesen waren. Was Odilbert uns bietet, ist kein Skrutinien- 
ritus, sondern ein Taufordo, nicht unähnlich solchen Ordines, 
wie wir sie in grosser Anzahl aus späterer £eit besitzen, und 
wie wir sie auch als Eigentum der mailändischen Gemeinde 
kennen. 1 ) Dieser Ordo gliedert sich aber in vier Abschnitte. 
Der Täufling wird: 

1) Katechumene. Als solcher wird er exsufBiert und 
exorcisiert, darauf reicht man ihm Salz und salbt ihn. Dann 
gilt er 

2) als Kompetent. Als solchen unterzieht man ihn den 
Skrutinien und der Katechese d. h. man unterstellt ihn wieder- 
holten Exorcisationen. Sodann teilt man ihm das Symbol mit. 
Endlich benetzt man ihm im sog. Effeta Nase und Ohren mit 
Speichel. Alsdann betritt er 

3) das Baptisterium, um sichhier an Brust und Schultern 
mit Öl salben zu lassen, um dem Teufel zu entsagen und die 

Glaubensfragen zu beantworten. Nunmehr erfolgt die Taufe. 

— ■ — 

') Vgl. unt. and. den von Muratori (Antiquit. ital. med. aevi 1741 
Tom. IV p. 849—851) mitgeteilten Ordo qualiter scrutinia agantur pro 
catechumenis, scriptus circiter ann. Christi 1130, wo scrutinia nichts anderes 
sind als das die Taufe einleitende und abschliessende liturgische Cere- 
moniell. 



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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 6t 

4) An den Taufakt schliessen sich als weitere Ceremonien 
bezw. die Taufe abschliessende Akte : die Salbung mit Chrisma, 
das Anlegen der Stirnbinde, das Anziehen des weissen Tauf- 
kleides, die Kommunion, die Handauflegung durch den Bischof 
und die Fusswaschung. 

Im Anfang des 9. Jahrhunderts begegnet, wie schon gesagt, 
sehr häufig in den Schriften der fränkischen Theologen ein 
Taufordo, der nach der Art und Weise zu schliessen, wie er 
citiert wird, eine geradezu offizielle Giltigkeit in der fränkischen 
Kirche gehabt haben muss. Sein Schema ist etwa das folgende. 
Der Täufling wird 

1) Catechumenus. Die „Katechisationen" aber, denen er 
als solcher untersteht, sind: 

a. ISxsufflatio. 

b. Exorcizatio. 

c. Datio 8alis. Alsdann wird er 

2) Competens. Ihm werden zu teil: 

a. Traditio symboli. 

b. Scrutinia (d. h. Exorcisation und Katechismusexamen). 

3) Es folgen der Taufakt: 

a. Tanguntur nares. 

b. Pectus perungitur oleo, signantur scapulae. Abre- 
nuntiatio satanae. 

c. Interrogationes fidei. 

d. Trina Immersio 

4) und die Schlussakte: 

a. Albis induitur vestimentis. 

b. Chrismate caput perungitur et mystico tegitur vela- 
mine. 

c. Corpore et sanguine dominico confirmatur. 

d. Per impositionem manus a summo sacerdote spiri- 
tum accipit. 

Hält man diese beiden Taufordines zusammen, so treten 
natürlich eine ganze Reihe kleiner Differenzen hervor. Weit 
grösser aber ist die Übereinstimmung. Denn beide Ordines 
repräsentieren in der Hauptsache bereits den späteren römischen 
Ordo baptismi und bilden fraglos eine wichtige Stufe in dessen 
allmählicher Ausgestaltung. 

5* 



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68 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräientierten Taufordo etc. 

Odilbert hat in seiner Antwort an Karl sogut wie ganz 
von irgendwelchen Gewährsmännern der jüngst verflossenen 
Periode abgesehen. In einer oft auffälligen "Weise ignoriert er 
das zeitlich Nächstliegende und greift er auf die ältesten Autori- 
täten der Barche zurück. Dieses Verfahren mag teilweise sehr 
natürliche Gründe gehabt haben, vielleicht hier und da ziem- 
lich absichtslos gewesen sein. Der Erfolg war gleichwohl be- 
deutsam. Im Vergleich mit den Vertretern des Skrutinienritus 
im 7., 8. und 9. Jahrhundert erscheint Odilbert mit semein 
Taufordo durchaus als ein Moderner, der die Entwicklung der 
Taufliturgie um ein gutes Stück fordern hilft. Er ist aber ein 
Moderner geworden, indem er gleicherweise wie die erleuch- 
tetsten Köpfe seiner Zeit die Traditionen der Alten Kirche 
wieder aufgreift und die Missbildungen späterer Jahrhunderte 
nach Möglichkeit ignoriert. 



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Lippert & Co. (G. Fätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. 



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